Politik & Gesellschaft

Oberster Gaswerker

Jürgen Kannler
8. Oktober 2021

Alfred Müllner ist Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg. Er »brennt« für das Projekt Gaswerk und macht zahlreiche Themen und Termine zur Chefsache. Demnächst erweitert sich sein Gaswerkteam um eine entscheidende Position.

Im August wurde die Stelle eines*r Community Manager*in ausgeschrieben. Der eigentlich aus dem IT-Bereich kommende Begriff ist etwas irreführend. Gebraucht und gesucht wird eine Person, die in Einrichtungen von vergleichbarer und von der swa auch angestrebter Bedeutung und Größe zum Beispiel als Direktor*in für Entwicklung, Gestaltung und künstlerische Agenden firmiert. Alfred Müllner bestätigte beim art3kultursalon 2020 auf Anfrage unserer Redaktion zum ersten Mal öffentlich die Notwendigkeit, diese Stelle zu schaffen. Nun soll es also so weit sein – besser spät als nie. Auch die räumliche Situation soll sich auf dem Areal in absehbarer Zeit deutlich verbessern. Ende September war die Grundsteinlegung für die Musikbox. Neben diesem Neubau rechnen die swa 2022 mit der Fertigstellung vier weiterer Kulturorte. Alles gute Gründe, dem obersten Gaswerker einige Fragen zu stellen.

a3kultur: Die swa entwickelt auf ihrem Gaswerkareal in Augsburg-Oberhausen, in Kooperation mit der Stadt, ein »KreativWerk«. Wie definiert sich diese Kooperation, bei der das finanzielle Risiko allein bei Ihnen liegt?

Alfred Müllner: Wir arbeiten sehr intensiv und vertrauensvoll mit drei Referaten zusammen: dem Kultur-, dem Wirtschafts- und dem Baureferat. Außerdem haben wir mit Eva Weber eine Oberbürgermeisterin, die das Thema schon in ihrer Zeit als Finanzreferentin unterstützt hat. Zudem ist die Stadt, neben dem Staatstheater, unser größter Mieter. Mit Fertigstellung der Musikbox im kommenden Jahr stehen dem Kulturamt rund 5.000 Quadratmeter für Übungsräume, Ateliers und Werkstätten zur Untervermietung zur Verfügung.

Die swa spricht beim Gaswerk von einem einzigartigen Industriedenkmal von europäischem Rang. Vor Kurzem war die Grundsteinlegung für die Musikbox, einen modernen, fünfstöckigen Holzbau, der nun anstelle eines vor zwei Jahren abgerissenen Gebäudes des geschützten Ensembles entstehen wird – von dem es bisher hieß, dass die zuständigen Denkmalschützer einen Nachbau entsprechend der historischen Vorlage fordern. Wie konnten Sie die Denkmalbehörde von ihrer ursprünglichen Position abbringen?

Wir waren bei dem Projekt von Anfang an mit Politik, Verwaltung und Denkmalschutz in engem Kontakt. Nach allen Prüfungen und Abwägungen war klar, dass nur dieser Standort infrage kommt. Damals noch mit der Option eines Interimsbaus, das heißt, zu einem späteren Zeitpunkt die westlichen Werkstätten wieder originalgetreu aufzubauen. Erst bei der Präsentation der Ergebnisse des Architekturwettbewerbs wurde klar, wie ansprechend und gut korrespondierend der Siegerentwurf ist. Diese Qualität hat das Bauordnungsamt, die Stadtplanung und die Denkmalschutzbehörden überzeugt. Der Schlüssel für dieses Ergebnis lag jedoch im Miteinander aller Beteiligten.

Da kann man ja nur hoffen das Denkmalschutz, Pragmatismus und Entwurfsqualität in Augsburg zukünftig öfter eine Allianz eingehen. So bleibt der Stadt ein historisierender Neubau – ein Humboldtforum im Kleinen, wenn man so will – erspart. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Musikbox finden sich Räume des Staatstheaters, samt Brechtbühne. Wie lange läuft der Mietvertrag mit dieser Institution?

Bei der Baustelle am Kennedyplatz geht es ja eher schleppend voran. Der Mietvertrag läuft schon Ende 2024 aus. Allerdings mit der Option der Verlängerung um jeweils ein Jahr. Das Theater muss also keine Angst haben, auf der Straße zu landen.

Mit dem Staatstheater verlässt die bisher einzige Kulturinstitution mit größerer Strahlkraft das Gelände. In der Ausschreibung »Community Manager*in« steht, er oder sie soll eine wirkungsvolle Strahl- und Anziehungskraft für das Quartier und die Stadt Augsburg entfalten. Vor einiger Zeit hatte die swa noch eine Strahlkraft zumindest im süddeutschen Raum im Blick. Warum auf einmal so bescheiden?

Wir verstehen es als unseren Auftrag, ein Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft in Augsburg zu entwickeln. Dieses wird, wenn wir unsere Arbeit gut machen, zuerst in die Stadt und die Region strahlen. Später bestimmt auch darüber hinaus. Wir befinden uns bei der Entwicklung des Gaswerkquartiers ja noch fast am Anfang. Wir suchen nun eine*n Expert*in, der oder die uns dabei hilft, den Wert des Geländes mit all seinen Möglichkeiten herauszuarbeiten – das Areal erst einmal richtig aufzupolieren, wenn Sie so wollen. Denn erst wenn das geschehen ist, kann es auch Strahlkraft entwickeln.

Ein stadteigener Kulturort, wie zum Beispiel ein Museumsbau, würde dem zugutekommen. Sprechen Sie mit der Politik über diese Optionen?

Nein, im Moment noch nicht. Aber das kann ja noch kommen.

(Das Gespräch führte Jürgen Kannler)

 

Sehen Sie hierzu auch die anderen Beiträge »Kulturland« im Rahmen unserer Sonderveröffentlichung zum Thema Gaswerkquartier:

https://a3kultur.de/positionen/kulturland

 

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