Operette vor ernstem Hintergrund

25. Januar 2021 - 15:02 | Gast

Paul Abrahams »Viktoria und ihr Husar« im Livestream aus dem Gärtnerplatztheater in München

Von Sibirien über Japan, zurück nach St. Petersburg und schließlich in die ungarische Puszta – mit auf diese Reise nimmt das Gärtnerplatztheater die Zuschauer*innen in seiner Operettenproduktion »Viktoria und ihr Husar« in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger.

Das Stück beginnt in einem sibirischen Gefangenenlager kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges. Der ungarische Husarenrittmeister Stefan Koltay (Daniel Prohaska) ist dort inhaftiert und wartet auf seine Hinrichtung. Um dieser zu entkommen, versucht er mit einer fantastischen Geschichte über seine Liebe zu einer Frau, den Lagerleiter von seiner Freilassung zu überzeugen. Er reist nach Japan, um sich dort mit seiner Geliebten, Gräfin Viktoria (Alexandra Reinprecht), wieder zu vereinigen. Viktoria glaubte jedoch Koltay sei tot und vermählte sich mit einem anderen Mann und so nimmt die Tragikomödie ihren Lauf.

In »Viktoria und ihr Husar« reist der*die Zuschauer*in nicht nur mit um die Welt, sondern auch durch die unterschiedlichsten Musikstile von Jazz bis Schlager mit Ohrwurmqualität. In der Münchner Inszenierung wird bildstark, temporeich, humorvoll und mit Hilfe einer üppigen Ausstattung erzählt, ohne dabei den ernsten geschichtlichen Hintergrund, vor dem das Stück spielt, zu vergessen.

Die Operette handelt auch von der Heimatlosigkeit, von der auch die Macher des Stücks selbst betroffen waren. Abraham und seine Librettisten, Grünwald und Löhner-Beda, waren jüdischer Abstammung und wurden von den Nationalsozialisten vertrieben. Löhner-Beda wurde im KZ Auschwitz ermordet. (Anna Hahn)

Weitere Onlineangebote des Gärtnerplatztheaters: Am 31. Januar wird »Don Juan« (sinfonische Lyrik) mit der Schauspielerin Jutta Speidel als Sprecherin live gestreamt. Am 6. Februar steht Gioachino Rossinis Komische Oper »La Cenerentola« auf dem Programm.

www.gaertnerplatztheater.de

Foto (© Christian POGO Zach): Das Ballettensemble des Gärtnerplatztheaters in »Viktoria und ihr Husar«

Weitere Positionen

28. Februar 2021 - 13:58 | Anna Hahn

Der zweite Abend des Brechtfestivals präsentierte unter anderem ein Konzert der »Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot«, Stefanie Reinsperger mit »Ich bin ein Dreck«, Corinna Harfouchs Kurzfilm »Fabriktagebuch/Die Mutter« und einen Beitrag von L-Twills zu Inge Müller.

27. Februar 2021 - 13:40 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auftakt zu #digitalbrecht mit der Video-Adaption von Heiner Müllers »Medeamaterial«, Suse Wächters ersten Folgen des Hysterienspiels mit Puppen »Helden des 20. Jahrhunderts singen Brecht« und dem aus der Ukraine übertragenen Konzert des Frauenseptetts »Dakh Daughters«

25. Februar 2021 - 11:48 | Juliana Hazoth

Von Brecht bis heute: Hörspiele schaffen eine besondere Form der Intimität und können gesellschaftlich relevante Themen packend darstellen. Lesebedarf – die a3kultur-Literaturkolumne

24. Februar 2021 - 9:14 | Gast

Martyn Schmidt inszeniert auf seinem Album »kammerton a'a« den demokratischen Neubeginn nach 1945 als großartiges musikalisch-dokumentarisches Hörspiel. Von Gerald Fiebig

22. Februar 2021 - 15:13 | Anna Hahn

Das Staatstheater Augsburg zeigt in seiner Digitalsparte Einar Schleefs »14 Vorhänge« als Uraufführung im imposanten Bühnenbild.

22. Februar 2021 - 11:38 | Martin Schmidt

Der im Hirmer-Verlag erschienene Bildband »Klinger« tröstet über die größtenteils verhinderten 2020er-Jubiläumsschauen zum 100. Todestag des Bildhauers, Malers und Grafikers hinweg. Der Ausstellungskatalog: ein neues Standardwerk und Appetizer auf eine zu erhoffende Ausstellungsfortsetzung.

19. Februar 2021 - 14:04 | Bettina Kohlen

Bei »augsburg contemporary« geht das Projekt »Domestic Space« in die erste von drei Runden.

18. Februar 2021 - 9:30 | a3redaktion

Der Podcast »the ear in earth« präsentiert Audioculture aus Literatur, Poesie und Contemporary Classic

17. Februar 2021 - 6:40 | Gudrun Glock

Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder steckt voller Überraschungen. Einige kreative Macher*innen erschließen dieses Potenzial auf vielfältige Weise und lassen dabei ihrem Einfallsreichtum freien Lauf. Ein Interview mit Anja Dördelmann, Eva Liebig und Stephanie Schmid

15. Februar 2021 - 10:29 | Martin Schmidt

Über Theopoesie: das neue Werk »Den Himmel zum Sprechen bringen« (Suhrkamp) von Peter Sloterdijk