Paare außer Rand und Band
Wie »verwaltet« man Liebe? Wer in diesen Wochen ins Kino geht, begegnet einer eigentümlichen Trilogie des zwischenmenschlichen Unbehagens, in der uns jeder Film auf eigene Art den Spiegel so vorhält, dass es fast wehtut.
Von A24 und Kristoffer Borgli erwartet man kein braves Hochzeitskino. Doch der Trailer zu »Das Drama« (2. April, alle Kinos) führt zunächst bewusst in die Irre. Wir sehen ein vermeintliches Traumpaar: Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson). Sie sind schön, sie sind erfolgreich, sie lächeln für die Verlobungsfotos. Doch eine unerwartete Enthüllung wirft nicht nur die Hochzeitsplanung aus der Bahn, sondern alles, was sie übereinander zu wissen glauben. Klingt zunächst nach Thriller-Konvention, doch Borgli interessiert sich eher für eine anatomische Zerlegung moderner Intimität. Der Trailer deutet an, dass es nicht nur um ein »Geheimnis« geht, sondern um die Frage, ob wir den Menschen neben uns überhaupt kennen können – wenn wir selbst nur noch in kuratierten Bildern existieren. Pattinson scheint dabei wieder seine chaotische Energie aus »The Lighthouse« auf die Leinwand zu bringen. Zendaya hingegen, die in »Challengers« die Manipulation perfektionierte, spielt eine Figur, die mit einer einzigen Wahrheit das Kartenhaus ihrer Zukunft zum Einsturz bringt. Die Chemie im Trailer wirkt nicht romantisch, sondern toxisch – und hoch spannend.
Sommer in Berlin, 2018: Tanja (Sylvaine Faligant) und Jerome (Jannis Niewöhner), eine Autorin und ein Webdesigner Anfang dreißig, führen eine scheinbar perfekte Fernbeziehung. Zwischen schlaflosen Nächten in der Großstadt und Entschleunigung im beschaulichen Maintal tarieren die beiden immer wieder Nähe und Distanz. An ihrem 34. Geburtstag überkommt Tanja eine Ahnung der gemeinsamen Zukunft – eine, die geordnet und verlässlich wirkt. Aber ist es wirklich das, wonach sie sucht?
Die pointierten, oft ironischen Dialoge und die präzise Milieustudie bleiben in Anna Rollers gleichnamiger Verfilmung von Leif Randts Kultroman »Allegro Pastel« (16. April, Cinemaxx) glücklicherweise erhalten. Nicht zuletzt, weil Randt selbst das Drehbuch schrieb und das Paar Faligant und Niewöhner eine gelungene Mischung aus Souveränität und latenter Orientierungslosigkeit auf die Leinwand bringt. Über seine gut 100 Minuten Laufzeit wirkt »Allegro Pastell« jedoch eher wie ein 4,80-Euro-Flat White: handwerklich perfekt, optisch ein Genuss – doch am Ende bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack und das Gefühl, viel Geld für sehr viel Schaum ausgegeben zu haben. Es ist das präzise Porträt einer Welt, in der die Angst vor dem Peinlichen größer ist als der Hunger nach dem Leben. Ein Pflichttermin für alle, die sich gern selbst beim Denken zusehen – für alle anderen ein schmerzhaft nostalgischer Blick in ein Goldfischglas voller Luxusprobleme der späten 2010er-Jahre.
Wenn Ihnen der »Vibe« dieser beiden Filme gefällt, lohnt sich vielleicht noch ein Blick auf den letzten Drücker auf »Pillion« (26. März, Programmkinos Augsburg).
Als der schüchterne Colin (Harry Melling) in einer Bar auf den charismatischen Ray (Alexander Skarsgård) trifft, ist es sofort um ihn geschehen. Dass der attraktive Biker ausgerechnet ihn zu seinem neuen Gefährten erwählt, kann er kaum fassen. Ray fordert absolute Unterwerfung, zu der Colin nur allzu gern bereit ist – bis in ihm eine leise Sehnsucht nach etwas erwacht, das Ray ihm vielleicht niemals geben kann.
Ein kühner, rauer und zutiefst intimer Film für alle, die wissen wollen, wie sich absoluter Kontrollverlust im 21. Jahrhundert anfühlt. Ein Roadtrip, der so schnell nicht in Vergessenheit gerät.
Filmfigur des Monats: Jannis Niewöhner
- Geboren 1992 in Krefeld
- Vater: Uwe Frisch-Niewöhner, Mitbegründer des Duisburger Kinder- und Jugendtheaters KOM’MA
- 2002: Erste Filmrolle in der »Tatort«-Episode »Fakten, Fakten«
- 2006: Erste Hauptrolle als Tim in »TKKG – Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine«
- 2008: Scheitert bei der Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin
- 2015: Durchbruch als Timo in »4 Könige«, Auszeichnung als European Shooting Star bei der Berlinale
- Instrumente: Gitarre, Keyboard, Schlagzeug
- Sport: Eishockey, Fechten, Inlineskating, Parkour, Reiten, Tanzsport
Kinostarts im April:
DO 02.04. CINESTAR, CINEPLEX Super Mario Galaxy | CINEMAXX Segeljungs
DO 09.04. CINEMAXX, CINESTAR Ready or not 2 | How to make a killing | CINEMAXX Der Magier im Kremel
DO 16.04. CINEMAXX, CINESTAR Lee Cronin’s The Mummy | Kiss the Spider Woman | CINEMAXX, PROGRAMMKINOS AUGSBURG Kill Bill: The Whole Bloody Affair | CINEMAXX Allegro Pastel | Kapodistrias | PROGRAMMKINOS AUGSBURG Paris Murder Mystery
DO 23.04. CINEMAXX, CINESTAR, PROGRAMMKINOS AUGSBURG Michael | CINEMAXX Die reichste Frau der Welt
DO 30.04. CINEMAXX, CINESTAR, PROGRAMMKINOS AUGSBURG Der Teufel trägt Prada 2 | CINESTAR, PROGRAMMKINOS AUGSBURG Der Wunderweltenbaum
Kinoevents im April:
DI 07.04. CINEPLEX, CINESTAR Best of Cinema »Sicario«
DI 21.04. CINEPLEX Mozarts »Zauberflöte« aus dem Royal opera House London
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Von der Saat des Konflikts zur Stunde der Abrechnung
»Nürnberg« (7. Mai, Cinemaxx, Cinestar, Programmkinos Augsburg), 1945. In den Ruinen einer vom Krieg gezeichneten erhält der amerikanische Militärpsychiater Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malek) einen ungewöhnlichen Auftrag: Er soll die inhaftierten Hauptverantwortlichen des NS-Regimes in Vorbereitung auf die Nürnberger Prozesse untersuchen. Unter ihnen ist der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring, dessen Intelligenz, Charisma und manipulative Stärke Kelley gleichermaßen herausfordern wie faszinieren.