Politik & Gesellschaft

Razzia zur Primetime

Cityclub Augsburg
a3kultur-Redaktion

200 Polizist*innen, ein »Galileo«-Kamerateam und viele offene Fragen. Ein Kommentar von Malte Günther

In der letzten Nacht des Januars stürmen 200 Einsatzkräfte der Polizei den City Club. Kameras halten alles fest. Was folgt, ist eine stundenlange Durchsuchungsaktion, bei der Gäste bis auf die Unterwäsche durchsucht und in der Kälte festgehalten werden. Der offizielle Anlass: Ermittlungen wegen des Verdachts auf unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, die seit Ende 2024 laufen. Allerdings wurden nicht nur die Räumlichkeiten des City Clubs durchsucht, sondern auch Privatwohnungen sowie die Räume des »theter ensemble e. V.« aufgebrochen und verwüstet – Letztere waren offenbar nicht einmal Teil des Durchsuchungsbeschlusses.

Der City Club ist nicht irgendein Club. Er ist seit Jahren ein kultureller Anker der Stadt, ein Safe Space für die queere und alternative Szene. Ende 2025 wurde er vom Verband für Popkultur in Bayern e.V. noch zum Club des Jahres gekürt. Dass ein solcher Ort nun Ziel einer derart massiven Polizeiaktion wird, irritiert. 200 Einsatzkräfte, Zelte, Kamerateams – diese Inszenierung erinnert eher an die Zerschlagung eines kriminellen Netzwerks als an die Aufklärung von Drogendelikten in einem Kulturclub.

Dass dieser Einsatz wenige Wochen vor der Kommunalwahl stattfindet und ausgerechnet einen Ort trifft, der politisch und gesellschaftlich klar verortet ist – progressiv, queer, alternativ – ist zumindest bemerkenswert. Die Anwesenheit eines Kamerateams von »Galileo« setzt dem Ganzen die Krone auf. Diese Inszenierung erzeugt eine Wirkung, die weit über den eigentlichen Ermittlungszweck hinausgeht.

Die Reaktion der Augsburger*innen zeigt, welchen Stellenwert der City Club hat. Eine Spendenaktion, von Stadträtin Lisa McQueen (Die Partei) ins Leben gerufen, brachte bis Sonntagabend bereits über 12.000 Euro zusammen – ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität für einen Ort, der vielen Menschen wichtig ist.

Ein rechtsstaatliches Ermittlungsverfahren muss möglich sein – keine Frage, ein Kulturort ist kein rechtsfreier Raum. Doch es muss verhältnismäßig bleiben und sich an rechtliche Grenzen halten. Die Frage bleibt: Was wurde hier eigentlich bekämpft – Drogen oder ein unbequemer Kulturraum?

Heute (Dienstag, 3. Februar) startet der City Club wieder in den normalen Betrieb – mit der Vorführung von »Terror« des theter Ensembles um 20:30 Uhr im City Club Café.

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