Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Die schönsten Wochen des Jahres
Wie reisen wir in der Zukunft? Im Rahmen des Studium generale sprach Prof. Dr. Jürgen Schmude fundiert und erfrischend kurzweilig darüber, wie sich der Tourismus im Spannungsfeld von Reiselust, Nachhaltigkeit und Klimawandel verändern wird.
Die Vortragsreihe der VHS Augsburg in Kooperation mit der Universität Augsburg und dem Kulturamt der Stadt Augsburg »Wie wollen wir leben? Wie können wir leben? Jetzt und in Zukunft« widmet sich an diesem Abend dem Thema Mobilität: Reisen in der Zukunft. Im Filmsaal des Zeughauses und nach einer Begrüßung aller Anwesenden durch Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer, Inhaberin des Lehrstuhls für Pädagogik an der Universität Augsburg, stellte Prof. Dr. Jürgen Schmude, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft e.V. und wissenschaftlicher Leiter des Bayerischen Zentrum für Tourismus, die Dreifaltigkeit der Fragestellung nach den Ursachen für die Veränderung unseres Reiseverhaltens vor: 1. Was beeinflusst unsere Reiselust? 2. Kann Reisen jemals nachhaltig sein? 3. Welchen Einfluss hat der Klimawandel?
Die Reiseströme verändern sich
Nach dem Bedürfnis nach Lebensmitteln hat die Reiselust mittlerweile die zweithöchste Priorität auf der Maslowschen Bedürfnispyramide. Den Reisesektor beschreibt Schmude als einen äußerst dynamischen Bereich. Das Reiseverhalten ändert sich stark. In Deutschland ist der Tourismus auch durch Corona keineswegs zusammengebrochen. Die immer gereist sind, sind weitergereist – nur die Ziele haben sich verändert. Fernreisen gewinnen an Bedeutung und die Frequenz der Reisen pro Jahr steigt stetig. Allen Prognosen zum Trotz ist nach der Pandemie Reisen nicht wesentlich nachhaltiger geworden. Das Gedächtnis der Reisenden ist extrem kurz. Der Wunsch nach einem sozialverträglichen und nachhaltigen Urlaub ist zwar groß – tatsächlich sind es aber nur 11 Prozent aller Reisen, die dieses Qualitätsmerkmal aufweisen.
Die Tragfähigkeit der Massen
Die Klimaveränderungen bewirken das Comeback der »Sommerfrische«. Weniger Hitzetage und niedrigere Temperaturen locken die Erholungssuchenden wieder mehr in die ländlichen Gegenden. Die Destinationen müssen sich heute mit den Fragen des Overtourism auseinandersetzen und Konzepte für die Tragfähigkeit der Massen entwickeln. Weder gibt es einheitliche Reaktionen auf den Klimawandel, noch auf veränderte Reisetendenzen. Es gibt kein Patentrezept für Anpassungen. Urlaubs(t)raum versus Alltags(t)raum. Overtourism und Besucherlenkung. Partizipationsmöglichkeiten für alle und Krisenbewältigung. Jede Region wird ihre eigenen Lösungen finden müssen.
Die nächste Veranstaltung in der Reihe findet am Donnerstag, 23. November, 17.00 bis 18.00 Uhr statt im Zeughaus, Filmsaal Raum 300/ III, Zeugplatz 4 statt. Eintritt 6 EUR. https://www.vhs-augsburg.de/programm/gesellschaft/studium-generale
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