Ausstellungen & Kunstprojekte

Sieben Kapellen vollendet

Die letzten beiden der insgesamt sieben Wegekapellen, die von der Siegfried und Elfriede Denzel Stiftung initiiert wurden, sind im September und Dezember 2020 errichtet und ökumenisch gesegnet worden. Der Kreis ist somit geschlossen.

Dieser Text schließt unsere Berichterstattung zum Kapellenprojekt vorerst ab. Ein umfassender Beitrag hierzu und zu den ersten fünf Kapellen ist im März 2020 in der Frühjahrsausgabe von a3regional erschienen. Ein aktualisierter Beitrag folgte im September 2020 in a3kultur und ist hier nachzulesen.

Rund um Dillingen sind in den letzten drei Jahren entlang des neuen Radwegenetzes markante Wegekapellen entstanden, die dem Wertinger Holzbauunternehmerpaar Siegfried und Elfriede Denzel zu verdanken sind. Sie gründeten eine Stiftung, die 2017 das Projekt »sieben Kapellen« auf den Weg brachte, das von Dr. Peter Fassl, Mitglied des Stiftungsvorstandes und bis Ende 2020 Heimatpfleger des Regierungsbezirks Schwaben, konzipiert wurde. Sieben Architekten wurden eingeladen, eine Kapelle zu entwerfen, die Denzel-Stiftung sorgte für adäquate Bauplätze und stellte für jedes Bauwerk 100.000 Euro zur Verfügung. Die Architekten waren lediglich an zwei Vorgaben gebunden: Die Kapellen sollten aus Holz gebaut werden und ein Kreuz musste integriert werden. 

Die erste Kapelle wurde im Sommer 2018 gesegnet, mit den letzten beiden Bauten in Kesselostheim und Oberthürheim, die im September und Dezember 2020 fertig geworden sind, findet das Projekt der »sieben Kapellen« seinen Abschluss.

Ein Pagodenturm im freien Feld

Schon von weitem springt der hoch aufragende Turm ins Auge, der sich, während man näher kommt, überraschenderweise zu bewegen scheint. Dieses Schauspiel ist den – wie bei einer Pagode übereinander geschichteten – Lamellen geschuldet, aus denen die halboffenen Wände der Kapelle gebildet sind. Architekt Volker Staab wählte als Bauplatz ein von drei mächtigen Bäumen umstandenes Plateau an einem Hang oberhalb des Dorfes Kesselostheim und errichtete dort einen 14 Meter hohen Turm mit quadratischem Grundriss von 4 x 4 m.

Zur Kapelle führt ein langer Steg, an dessen Ende man auf eine in eine Wandscheibe aus Beton eingelassene Sitzbank trifft. Erst wenn man dort Platz nimmt, öffnet sich der Blick ins Innere der Kapelle, die mit ihren halboffenen Wänden Wind und Wetter hindurch lässt. 

Dass es sich um einen sakralen Bau handelt, erschließt sich nicht nicht auf den ersten Blick, denn das obligatorische Kreuz, Hinweis auf den christlichem Kontext, ist hier bereits in der tragenden Konstruktion verankert: Wer im Inneren aber den Blick nach oben richtet, blickt durch das in der Mitte offene Dach mit sich überkreuzenden Balken in den Himmel. Der spröde markante Bau, der – auch als Gegengewicht zum nahe gelegenen und bislang dominanten Milchwerk – eine deutliche Landmarke setzt, entfaltet seine dynamische Qualität im Dialog mit dem Besucher, der sich der Kapelle nähert, sie umrundet, den Blick schweifen lässt …

Eine Kapelle wie aus dem Bilderbuch

Dass wir hier vor einem Sakralbau stehen, ist bei der Kapelle an einer baumbestandenen Weggabelung bei Oberthürheim sonnenklar: So stellt man sich ein Kirchlein in Modelleisenbahnlandschaften vor. Doch Architekt Christoph Mäckler überzeichnet das Zitat der einschiffigen gotischen Basilika, indem er diesen Bautyp einer hintersinnigen Proportionskur unterzieht. Die schmale, 12 Meter hoch strebende Kapelle sprengt durch ihr mit einer Neigung von 76° irritierend steiles Satteldach über Haupt- und Vorbau unsere Sehkonventionen und hat zugleich etwas Cartoonhaftes. Die Blockbauweise, die auch das Dach umfasst, unterstreicht die geschlossene Kubatur, die nur durch die in die Seitenwände eingelassenen winzigen blau verglasten Fenster und einen gelb hinterfangenen Kreuzschnitt im Westgiebel aufgebrochen wird. Das Spiel mit Zitaten setzt sich im Inneren der Kapelle fort, denn Mäckler platziert entlang der Längswände eine durchgehende mit Querbrettern unterteilte Bank, die an Chorgestühl erinnert.

Das Oszillieren zwischen der Ernsthaftigkeit der Bauaufgabe und dem humorvollen Umgang mit architektonischen Mustern erinnert ein wenig an die Follies im Landschaftsgarten, die nicht nur nutzbarer Raum, sondern ebenso Blickpunkt und Ziel waren.

Die sieben Kapellen reihen sich entlang des Donauradweges und sind ideale Ziele für eine ausgedehnte Radrundfahrt – aber Achtung: Es sind rund 120 km zu absolvieren, so dass es sich anbietet, das Ganze häppchenweise anzugehen. Alle Kapellen sind aber auch gut mit dem Auto zu erreichen. Um den richtigen Weg zu finden, empfiehlt sich die gut strukturierte Website, wo sich neben Details zu den sieben Bauten auch deren exakte Geodaten und zudem ein praktischer Link zu Google Maps finden.

www.7kapellen.de

Foto oben: Kapelle bei Oberthürheim von Architekt Christoph Mäckler. Besonderes Merkmal: ein ungewöhnlich steiles Satteldach. 

Foto unten: Innenraum der Kapelle bei Kesselostheim von Volker Staab. Beim Blick nach oben offenbart sich das Kreuz. (Fotos © Bettina Kohlen)

 

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