Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Tee ist Tee? Nicht wirklich.
Tee ist nicht der Aufguss selbst, sondern die Bezeichnung für eine Pfanze.
Wir wollen beginnen mit der ursprünglichen Teepflanze, die wohl schon vor fünftausend Jahren in China kultiviert wurde. Ihr ausgekochter Sud wurde anfangs für medizinische Belange verwendet, bald jedoch wurde er auch zum Alltagsgetränk. Im sechsten Jahrhundert wurde der Tee als Handelsgut entdeckt, immer mehr von Chinas Nachbarn interessierten sich dafür, durch buddhistische Mönche gelangte er auch nach Japan. Aber erst im 17ten Jahrhundert erreichten die ersten Blätter offiziell Europa.
Im Jahr 1610 lief das erste Schiff mit Tee beladen im Hafen von Amsterdam ein und von da an waren es fast 60 Jahre, in denen die Holländer das Monopol auf die Einfuhr von Tee in den Westen hatten. Danach bemühten sich vor allem die Engländer, etwas von diesem Geschäft abzubekommen. Mit der Gründung der mächtigen East India Company sicherten sie sich bis 1833 das alleinige Recht, Tee zu importieren. Um diese Vormachtstellung zu unterwandern, wurde Tee dann auch beschwerlich auf dem Landweg in Karawanen transportiert. Dessen Qualität war vermutlich sogar besser, da die getrockneten Blätter nicht der feuchten und muffigen Seeluft in den Bäuchen der Schiffe ausgesetzt waren. Aber wirkliche Konkurrenz zum Seeweg konnte sich nicht entwickeln, da die über Land transportierten Mengen deutlich geringer waren.
Die Vormachtstellung hatte nach wie vor die Company, über die der Tee bald auch die Kolonien in der Neuen Welt eroberte und um 1760 auf dem dritten Platz der importierten Handelsgüter stand. Diese Tatsache nahm die britische Regierung zum Anlass, Tee in den Kolonien mit hohen Steuern zu belegen, um das Finanzloch, das der siebenjährige Krieg gerissen hatte, zu stopfen. Diese Steuern verursachten im ganzen Land Proteste und wütendes Aufbegehren. Obwohl die Steuern bald darauf wieder drastisch gesenkt wurden, war es schon zu spät: Am 16. Dezember 1773 verkleideten sich Mitglieder der Freimaurerloge Saint Andrew in Boston als Mohikaner, enterten die im Hafen liegenden Schiffe der East India Company und warfen 342 Kisten Tee über Bord. Diese »Boston Tea Party« gilt als Auftakt zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
Auch die Vormachtstellung Chinas – den Anbau betreffend – begann zu verblassen, Indien wurde immer mehr zum Produzenten feiner Tees, vor allem der im nördlichen, hoch gelegenen Darjeeling produzierte Tee galt bald als das Beste für Genießer, und hält diesen Ruf bis heute. Mittlerweile wird die Pflanze in China, Indien, Sri Lanka, Japan, Mittelafrika und einigen weiteren Regionen kultiviert. Perfekte Bedingungen bieten warme, feuchte Gebiete. Die Büsche werden dicht und niedrig gehalten, um die Ernte, die im Qualitätsanbau immer noch fast ausschließlich per Hand erfolgt, zu erleichtern. Da sich in diesem Unterholz oft recht unangenehme Mitbewohner (Schlangen, giftige Spinnen) wohl fühlen, ist die Arbeit für die Pflücker nicht immer angenehm, was in vergangenen Zeiten dazu führte, dass verstärkt Pestizide eingesetzt wurden. Inzwischen werden fast alle Tees, die bei uns in den Verkauf gelangen, streng auf ihre Inhaltsstoffe geprüft (bei Bio-Ware sowieso), wodurch sich die Situation in den meisten Anbaugebieten deutlich verbessert hat. Gepflückt wird bei guter Qualität ausschließlich »Two leaves and a bud«, will heißen, es werden pro Zweig nur die ungeöffnete Knospe und die beiden obersten Blätter geerntet.
Es gibt Zwei Grundsorten: Thea Sinensis, die feinere, zartere Qualitäten liefert, und die eher robuste und würzige Thea Assamica. Daraus entstehen dann je nach Verarbeitung die verschiedenen Grundteesorten.
Beim schwarzen Tee werden die gepflückten Blätter fermentiert und anschließend getrocknet, wodurch der etwas würzigere Geschmack entsteht. Grüntee wird sofort getrocknet und behält dadurch etwas mehr Inhaltsstoffe. Halbfermentierte Tees, so genannte Oolongs, sind bei uns nicht so bekannt, sind aber auf Grund ihrer geringen Verbreitung meist in sehr guter Qualität verfügbar und haben ein leicht rauchiges Aroma, perfekt als Essensbegleiter oder zu herberem Gebäck mit Nüssen.
Bitte gönnen Sie auch der Zubereitung Ihre Aufmerksamkeit, das Produkt hat es verdient. Schwarze Tees sollten Sie mit siedendem Wasser übergießen, rechnen Sie mit ca. zwei bis drei Teelöffeln pro Liter, die Ziehdauer sollte bei feinen Qualitäten nicht über drei Minuten liegen. Bedenken Sie, dass ca. die ersten eineinhalb Minuten das im Tee enthaltene Teein (fast identisch mit Koffein) gelöst wird, danach die Tannine (Gerbstoffe), welche das Teein wieder etwas neutralisieren. Je kürzer der Tee zieht, desto anregender wirkt er also.
Geben Sie den Blättern Platz zum Entfalten, am besten in einem Topf oder großem Sieb (grundsätzlich sollten Sie nur lose Ware kaufen, in Teebeuteln werden meist nur Abfallprodukte verwendet).
Bei Grüntee lassen Sie das Wasser auf ca. 80 °C abkühlen. Sie können bei demselben Tee mehrere Aufgüsse machen, wobei der erste nicht länger als eine Minute ziehen sollte, die weiteren dann länger.
Grüner Tee schmeckt pur, für andere Aromen ist da eigentlich kein Platz. Beim Schwarztee gibt es viele Varianten, im Norden genießt man ihn in einer großen Tasse über Kandiszucker-Kluntjes gegossen (die dann herrlich knacken) und mit einem Schuss Rahm und Rum abgerundet. Puristen nehmen ihren Darjeeling in einer zarten hellen Porzellantasse, um die helle Farbe zu genießen, für viele gehört ein kräftiger Assam, mit Gewürzen und Orange aromatisiert, zur Adventszeit. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt ...
So und nun zu den am Anfang erwähnten »Aufgüssen«, in hiesigem Sprachverhalten eben gern als »Tee« bezeichnet, in anderen Ländern korrekterweise als »Infusion«. Hier gibt es natürlich eine unglaubliche Vielzahl an Varianten: Angefangen bei getrockneten Früchten, Kräutern (frisch oder getrocknet) und Rooibush bis hin zu Wurzelgemüsen und anderen Zutaten, die durch den Aufguss mit heißem Wasser zu einem Getränk verwandelt werden. Gemeinsam haben die meisten, dass sie, im Gegensatz zu Tee oder Kaffee, in der Regel kein Teein, bzw. Koffein enthalten.
Gerade Kräuter-Aufgüsse haben in den kommenden Monaten ihre Hochsaison. Überbrühter Ingwer, zusammen mit Salbei, Minze oder Thymian, noch einige getrocknete Apfelschnitze dazu, verfeinert mit etwas Honig, macht so manchen Winterabend zu einem Wohlfühlmoment und tut Gemüt, Seele und Körper gut. Durch die Wärme des Wassers werden die ätherischen Öle gelöst und gut verträglich für unseren Organismus aufbereitet. Ideal ist es dabei natürlich, wenn Sie die Kräuter noch frisch von der Fensterbank pflücken können, aber auch getrocknet enthalten sie noch viele ihrer positiven Eigenschaften. Daher noch schnell einen Vorrat anlegen und mit einer guten Tasse Tee oder Kräuter-Aufguss auf die ersten Frühjahrs-Sonnentage warten.
Das könnte Sie auch interessieren
Kunst zwischen Tramhaltestellen
Wer sich in diesen Tagen nach einem Spaziergang durch die Innenstadt fühlt, sollte gelegentlich nach links und rechts schauen, denn im Gegensatz zu der Natur blüht Augsburgs Kunst und Kultur noch ein Mal richtig auf.
»Je regionaler desto besser«
Fast jeden Freitag wird der Marienplatz im Zentrum von Friedberg zum Treffpunkt für Liebhaber*innen saisonaler Produkte und Feinkost aus der Region. Inzwischen seit 50 Jahren etabliert und ungebrochen beliebt. Nicht nur bei den Friedberger*innen alleine.