Tanz

Triple-Bill-Ballettabend

Bonds Jan-Pieter Fuhr

In den »Dimensions of Dance. Part 5« fiel insbesondere die auffallend präzise und damit auf technisch hohem Level tanzende Company positiv ins Auge. 

Mit orchestraler Bereicherung unter Leitung von Ivan Demidov überzeugt der aktuelle Triple-Bill-Ballettabend im Martini-Park. Diesmal steuerten mit Andonis Foniadakis, Douglas Lee und Young Soon Hue international anerkannte Choreograf*innen drei Uraufführungen für das Ballett Augsburg bei. 

Puderfarbige Wirbelwinde, gespenstische Kreaturen im Nude-Look und eine bewegend farbige Komponisten-Hommage - so ließe sich der neueste Ballettabend umschreiben, wenn man das Farbschema der in den Choreografien verwendeten und jeweils Aussage- und Atmosphäre-gebenden Kostüme (Bregje van Balen!) als Kriterium heranziehen wollte. Im ausverkauften Martini-Park freute sich das wie immer enthusiastische Tanz-Premieren-Publikum nicht zuletzt an der Tatsache, gemeinsam mit der seit 2017 von Ballettchef Ricardo Fernando konstant optimierten Company in den Genuss der Begleitung durch die Augsburger Philharmoniker zu kommen. Das funktioniert natürlich nur, wenn wie jetzt am Staatstheater die Choreograf*innen ihre Stücke zu entsprechend live spielbaren Kompositionen entwickeln. Der in Griechenland geborene Andonis Foniadakis setzte mit Werken des vielfach gestreamten, minimalistisch genialen Gegenwartsklassiker Ludovico Einaudi auf Gefühl und »Easy Listening«. Er schuf so einen spannungsreichen Kontrast zur High-Speed-Dynamik, mit der seine sieben Tänzer*innen in »Bonds« auf dem ins Zentrum gelegten weißen Tanzteppich-Quadranten die Gesetze der Schwerkraft verlassen. Energetisch beflügelt von den seidig-flatternden Hosenröcken erforschten sie seelische und womöglich konkrete geografische Landschaften, streiften die Geheimnisse des Aneinander-Gefesselt-Seins und türmten diese Erfahrungen immer wieder mal in menschlichen Pyramiden-Konstellationen auf, um in diesem akrobatischen Run kleine Zäsuren, Atempausen und stille Momente zu verbinden. 

»Automata« nennt der nach eindrucksvoller Stuttgarter Tänzerkarriere ebenso erfolgreich freischaffend arbeitende Choreograf Douglas Lee seine Neukreation zu Vivaldis wunderschönem und virtuos gespieltem Konzert für Mandoline und Streichorchester. Erneut ist es ein siebenköpfiges Ensemble, das im gar nicht so dezenten Military-Overall-Look zwei nackte Wesen aus der vernebelten Geisterstunde in ihrem marionetten-ähnlichem Bewegungsduktus in ein neues Dasein führt. Die uniformierte Gruppe setzt klare Grenzen und limitiert die Spielräume, überwacht mit Akkuratesse und streng formierter Eleganz die Identitäts-(Ver)suche der beiden sich tastend und staunend näherkommenden Solisten (Terra Kell und Afonso Pereira). Hier lauert spürbar auch immer eine Portion Gefahr. 

Nach der zweiten Pause nutzte die mehrfach ausgezeichnete, in Südkorea geborene Choreografin Young Soon Hue das Potential und die Präsenz der ganzen Company für ihre stringent durchdachte, ästhetisch ansprechende und mit großem Gespür für die Kraft der Poesie auf die Bühne gestellte Hommage an den italienischen Komponisten Ezio Bosso (1971-2020). Ihr Werk »Under The Trees‘ Voices« untermalte sie konsequenterweise mit zwei Sätzen aus dessen gleichnamiger Sinfonie Nr. 2. Am Ende des ersten Teils gelang David Nigro in seiner Solopartie als Ezio Bosso ein bewegender Moment. In italienischer Sprache formulierte er das Credo des Komponisten: »Musik ist wie Magie – die Musik lehrt uns das Wichtigste, was es gibt: zuhören.« Nicht nur in Zeiten medialen Overkills eine kostbare Botschaft innerhalb eines kurzweiligen Ballettabends. Die Standing Ovations gebührten auch dem sensationellen Orchester unter der behutsamen Leitung von Ivan Demidov! 

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