Zum Interview trafen wir Stephanie Schmid bei einem ihrer Kunden, der Schrebergartenwirtschaft »Im Garten« auf der Perzheimwiese im Augsburger Thelottviertel. Die Brauerei Ustersbach hat viele Gastrokund*innen, jedoch nur einige Gasthäuser im Eigentum. Neben dem weithin bekannten Bräustüble beim Brauhaus gehören die Holzkohle-Grillrestaurants FeuerWerk in Augsburg neben der City-Galerie sowie in Fischach und das Landgasthaus Leuthau mit seinen Fischspezialitäten in idyllischer Lage an der Wertach bei Schwabmünchen dazu. Nach dem Gespräch kam der Durst.
Vereinsheime
Soziales Zentrum oder Relikt der Vergangenheit?
Solange es Vereine gibt, gibt und gab es schon immer auch die dazugehörigen Treffpunkte, sprich Räume, von einfachen Hütten bis hin zu komfortablen Gaststätten. Wobei »Gast« in diesem Zusammenhang meist die falsche Begrifflichkeit ist, nur selten sind Vereinsheime besonders offenherzig bei der Begrüßung Nichtvereinszugehöriger. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Allerdings liegt natürlich schon in der Natur der Stätte deren Wirkungsweise. Man trifft sich in oft privater Atmosphäre mit Gleichgesinnten, um hier auch durchaus eine Erweiterung der Familiensituation zu schaffen. Schon allein deshalb passen Fremde hier nicht wirklich in den Rahmen.
Häufig ist das sogenannte Vereinsheim nichts weiter als eine bessere Garage, vor der man bei tauglichem Wetter einige Bierbankgarnituren aufklappt, einen Kasten Bier und Limo bereitstellt und einige Leberkässemmeln vom Metzger um die Ecke serviert, um in geselliger Runde sportlich und politisch weittragende Themen zu erörtern. Oder auch Nachbarschaftshilfen für den Umbau des eigenen Dachgeschosses zu organisieren, Dorf- oder Stadtklatsch auszubreiten, über das Wetter zu schimpfen, Freundschaften zu schließen, zu pflegen, zu beenden – den Gesprächsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Und so ist die Vereinsheimkultur auch und vor allem eine Kultur des örtlich-regionalen Traditionsbewusstseins und der Pflege heimischer Zusammengehörigkeit, die eine ähnlich in sich geschlossene Gesellschaft fast nur noch in konfessionellen Gemeinden vermuten lässt (genau genommen ist die Kirche letztlich auch nur ein religiös geführtes Clubhaus).
Allerdings gibt es auch größere Heime, die einen gastronomischen Betrieb bedingen, häufig mit der Option, dort auch (nicht vereinsbezogene) Veranstaltungen abzuhalten, von Taufen über Hochzeiten, Geburtstagen bis hin zu Beerdigungen.
Wir haben uns drei Vereinsstätten angeschaut, die in unterschiedlichster Ausprägung diese Tradition lebendig halten. Und dass Vereinsheime nicht immer nur dem sportlichen Geschehen zuzuordnen sind, zeigt gleich unsere erste Station:
Bombig Bar & Garage, Vereinsheim des KUKI – Musikkultur für Augsburg e.V.
Seit 1982 vereint KUKI Musiker*innen, Bands, Musiklehrer*innen und Tonstudios aus dem Großraum Augsburg, um ihnen eine Plattform zum gegenseitigen Austausch zu stellen. So werden Konzerte veranstaltet, Events und gemeinsame Aktionen besprochen und geplant. KUKI soll Ansprechpartner*innen sein für verschiedenste Kreative, die die Leidenschaft für Kunst und vor allem natürlich Musik teilen. Und stilecht ist in diesem Zusammenhang natürlich auch das Vereinsheim.
Das Bombig ist Treffpunkt, Bar, Konzertstätte, alles in einem. Wohl ein eher ungewöhnliches Vereinszentrum und, das ist wohl der deutlichste Unterschied zu traditionellen Vereinen, in sich schon eine Aufforderung an externe Gäste. Zu den Konzerten wird natürlich öffentlich eingeladen, jede*r ist willkommen, den Verein allein durch einen Besuch zu unterstützen und kennenzulernen, eventuell sogar aktives Mitglied zu werden. Eine geschlossene Vereinsgemeinschaft wäre gerade hier kontraproduktiv, es geht in erster Linie darum, die Vereinsphilosophie so offensiv wie möglich an die breite Masse heranzutragen. Trotzdem gibt es selbstverständlich auch hier Schwellenängste, wir wurden durchaus auch argwöhnisch gemustert, als wir zur Recherche unsere Nase an einem »Nicht-Konzert-Tag« durch die Tür des Bombig steckten – aber was hatten wir erwartet, eine Umarmung?
www.bombig-augsburg.com
Wirtshaus am Sportplatz 1909, Vereinsheim des TSV 1909 Gersthofen e.V.
Hier wurden wir zur Begrüßung ebenfalls nicht direkt umarmt, obwohl sich das Wirtshaus durchaus sehr offen externen Besuchern gegenüber gibt, ja diese Gäste eigentlich durch sein Erscheinungsbild als klassische Gaststätte direkt anspricht. Und so fanden wir hier auch eine bunte Mischung aus dem Stammtisch für die Vereinshonoratioren, einem Tisch mit Schafkopfspielern, die nebenbei ihr Bier genossen, Gästen, die in erster Linie zum Essen da waren, Damen, die sich trafen, um ein Stockwerk tiefer die Kegelbahn zum gemeinsamen Spieleabend zu nutzen, einem Tisch, der den runden Geburtstag eines Familienmitglieds feierte, sowie im Nebenzimmer Mitgliedern, die sich versammelten, um Angelegenheiten des Vereins zu diskutieren.
Der TSV Gersthofen gehört mit seinen Spielstätten, der Vielzahl an Abteilungen von Fußball, Basketball und Handball über Leichtathletik, Schwimmen und Turnen bis hin zu Boccia und Cricket und ca. 3.500 Mitgliedern zu den größeren Sportvereinen im Raum Augsburg. Aber unser Interesse galt hier eben in erster Linie der vereinseigenen Stätte der Zusammenkunft. Das gastronomische Konzept ist unter Pächter Jürgen Bouska sicher eines der ambitioniertesten der Gegend, man isst durchaus schmackhafte Wirtshausklassiker, das Fleisch und das Gemüse kommen von regionalen Zulieferern. Wir haben in »freien« Restaurants schon schlechter gegessen. Dennoch verleugnet man den nostalgischen Vereinsheimcharme keineswegs, der Boden ist in teutonisch-barockem Braun gefliest, die rot-weiß karierten Tischdecken ruhen auf braun meliertem Resopal. Aber genau so soll es sein, zu sehr gewollter Modernismus würde jegliche wohlige Erinnerung an frühere Zeiten im Keim ersticken.
www.wirtshausamsportplatz1909.de
Sportgaststätte Rinnenthal an der Leite, BC Rinnenthal e.V.
Das sicherlich klassischste Vereinsheim unserer drei vorgestellten ist die Sportgaststätte des BC Rinnenthal. Hier ist man noch unter sich, als Teil der dörflichen Gemeinschaft. Rinnenthal hat ca. 800 Einwohner*innen, der Verein wurde im Dezember 1970 gegründet, den sportlichen Betrieb nahm man im Sommer 1971 auf, eingeweiht wurde die Sportgaststätte 1973. Mit fünf Abteilungen von Fußball bis Bergsport deckt man die örtlichen Bedürfnisse gebührend ab. Die Gaststätte ist von Donnerstag bis Samstagabend geöffnet, und natürlich an Tagen mit Spielbetrieb.
Die Verantwortliche, Stoja Schmid, ist die gute Seele, Ansprechpartnerin für (fast) alle Bedürfnisse, hier werden Geburtstage gefeiert, Hochzeiten und Leichenschmäuse ausgerichtet, es gibt einen Pizza- und einen Schnitzeltag, alles auch zum Mitnehmen. Die Jugend trifft sich, wie die Älteren, auf ein gemeinsames Bier. Gelebtes Vereinsflair par excellence, hier ist man zu Hause, jede*r in der Vereinsfamilie wird hier vom warmen Mantel der Zugehörigkeit umhüllt.
www.bcrinnenthal.de
Und um das geht es wohl bei dem allzu menschlichen Verlangen, sich in Vereinen zu verbinden und Zeit zusammen in den Vereinsheimen zu verbringen. Ein jeder kann sich aufgefangen fühlen, als Teil einer verschworenen Gemeinschaft. Dass sich auch hier stets die Schlange der Intrige in der Dunkelheit aus Neid und Rivalität unter dem Tisch verbirgt und allzeit darauf lauert, in die Glückseligkeit der heimeligen Vereinswelt einzudringen, sei heute nicht unser Thema.
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