Theater & Bühne

Vorstadt de luxe

a3kultur-Redaktion

Rock Café gewinnt an Kontur.

Eine verlassene Wirtschaft an einer stark befahrenen Kreuzung in Kriegshaber. In unmittelbarer Nachbarschaft ein Discounter, der Friedhof, die Kulturbühne Spectrum, ein Bordell, eine ehemalige Synagoge mit aktuellem Ausstellungsprogramm, die noch aktive katholische Kirche Hlgst. Dreifaltigkeit, eine Weinhandlung, die Trambahnhaltestelle und eine Eisdiele. Vorstadt de luxe.

Der Gastraum: große Theke, kleine Bühne, Bier aus Flaschen für vier Euro inklusive Trinkgeld, sofern die Bar geöffnet ist. Ansonsten wird die Flasche für zwei Euro – auf Treu und Glauben – direkt aus dem Kühlschrank mit den Getränkereserven der Technikcrew verkauft. In seinem kleinen Satelliten Altes Rock Café macht das große Augsburger Staatstheater einiges anders als bei seinen Bühnen im Martini-Park und auf dem Gaswerkareal.

Das Programm versucht Anschlussstelle für Mitmachmusikrunden, Pen-and-Paper-Spieleabende – ein Retro-Games-Format –, VR-Versuchsanordnungen, fast ganz gewöhnliche Theaterabende und ein Überraschungsprogramm an den Blauen Montagen zu sein. Im Dezember kommen noch zwei halbwegs ehrenwerte Versuche dazu, ein Tipp-Kick-Turnier gegen die WM in Katar zu setzen. Das Programm liest sich wie ein Auszug aus dem Terminkalender eines einigermaßen aktiven Bürgerzentrums, wie es eben auch in diesem Stadtteil fehlt. Nur dass sich vom Alten Rock Café wohl weniger die Nachbarschaft angesprochen fühlt als diverse Nerdgruppierungen aus dem ganzen Stadtgebiet.

Die bisher besuchten Angebote waren nicht schlecht und haben Spaß gemacht. Manche Programme sind gratis, andere kosten ein paar Euro. Es wäre schön, wenn die Bar den Bürger*innen auch an spielfreien Tagen offenstehen würde.