Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, der Augsburger Wohnungsmarkt angespannt – und dennoch bewegt sich etwas. Rund 100 Gäste verfolgten das Gespräch mit den Spitzenkandidat*innen Eva Weber (CSU), Florian Freund (SPD), Martina Wild (Bündnis 90/Die Grünen) und Hannes Aigner (Freie Wähler).
Wohnen – Impulse für Augsburg
Ein erster Überblick über die Szene alternativer Wohnbauprojekte in unserer Stadt. Von Jürgen Kannler, Martina Vodermayer und Frank Lattke.
Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Wie werde ich in Zukunft wohnen? Kann ich mir mein Quartier, meine Stadt in ein paar Jahren noch leisten? Warum haben einige Menschen so viel Platz zum Leben, und warum stehen andere vor dem Nichts? Fragen wie diese beschäftigen viele. Das Thema ist voller Sprengkraft. Die Wohnungsnot schürt Unzufriedenheit und Angst. Steigende Baupreise, Spekulant*innentum und über Jahrzehnte hinweg falsche Weichenstellungen durch die Politik sind Teil des Problems. Doch es gibt auch vielversprechende Lösungsansätze für dieses vielleicht drängendste Problem unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen engagieren sich in neu gegründeten Baugenossenschaften oder privaten Baugruppen. Gemeinsam mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen des Wohnungsbaus suchen sie nach gangbaren Alternativen zur Wohnungsnot – und sie werden fündig. Auch in Augsburg entstehen neue Wohnbauprojekte.
Wohnen war schon immer ein politisches Thema. Die a3kultur-Redaktion beschäftigt sich – auch im Hinblick auf die Kommunalwahl im März 2026 – intensiv mit dem Thema »Wohnen – Impulse für Augsburg«. Gemeinsam mit externen Expert*innen wie dem Architekten Frank Lattke dokumentieren wir die Situation vor Ort, organisieren Diskussionsforen – live und digital – und überlegen gemeinsam mit den Pionier*innen dieser neuen Wohnkulturen praktikable Vernetzungs- und Informationsformate.
Einladung
Wohnen – Impulse für Augsburg
Information – Diskussion – Netzwerktreffen
Donnerstag 11. Dezember ab 18 Uhr
Kunst- und Projektraum Transform 117
Gelände Hutfabrik Lembert
www.a3kultur.de/transform-117
reservierung@a3kultur.de
WOGENAU eG
Die eingetragene Wohnungsbaugenossenschaft WOGENAU eG gründete sich 2019 von Augsburger*innen für Augsburger*innen – mit dem Ziel, die Tradition der Augsburger Genossenschaften in ihrer sozialen Verantwortung weiterzuführen. Teil einer Wohnungsbewegung zu sein, war dabei von Anfang an die Motivation für neue Wohnkonzepte und nachhaltiges Bauen. Im Rahmen eines Konzeptvergabeverfahrens der Stadt Augsburg erhielt die junge Genossenschaft den Zuschlag für ein Grundstück im Sheridanpark. Der Kaufvertrag wurde Ende 2023 geschlossen, im Sommer 2025 der Grundstein gelegt.
Auf einem Grundstück mit über 4.000 Quadratmetern entstehen zwei viergeschossige, energieeffiziente Holzhäuser mit 33 frei finanzierten und 22 Sozialwohnungen. Alle Einheiten sind barrierefrei erreichbar. Im Außenbereich stehen ein großzügiger Gemeinschaftsgarten, Innenhof, Vorplatz sowie eine Dachterrasse allen Wohnparteien zur Verfügung. Außerdem sind insgesamt 300 Quadratmeter gemeinschaftlich nutzbare Innenräume im Erdgeschoss für nachbarschaftliches Miteinander vorgesehen. Mit der Planung wurde die ARGE Lattke Architekten + BAYR GLATT GUIMARAES beauftragt.
Durch einen Kiosk, eine Werkstatt sowie einen Co-Working-Raum schafft die WOGENAU zusätzliche Angebote zur Belebung des Quartiers. Beim Mobilitätskonzept der Wohnanlage wird ein reduzierter Stellplatzschlüssel berücksichtigt. Das Projekt wird gefördert durch das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Mit Stand von Oktober 2025 sind noch einzelne Wohnungen frei.
Sheridan Park & Junia
Im Herbst 2021 überzeugte das Genossenschaftsprojekt »Sheridan Park & Junia« die Stadt Augsburg durch sein nachhaltig-soziales, innovatives Konzept und erhielt den Zuschlag für ein Baugrundstück direkt am Sheridanpark. Anfang Juli 2023 erfolgte der Spatenstich für den Bau dreier Mehrfamilienhäuser mit 33 Wohnungen in Holzbauweise.
Entstanden sind helle Wohnungen mit großzügiger Raumhöhe, ausgestattet mit hochwertigen Materialien wie dreifach verglasten Fenstern, Massivparkett sowie fernwärmebetriebener Fußbodenheizung. Jede Wohnung besitzt eine nach Süden ausgerichtete Terrasse bzw. Loggia, die komplette Wohnanlage ist barrierefrei.
Der nach aktueller Energieeinsparverordnung optimierte Neubau benötigt lediglich 55 Prozent der Energie eines Referenzhauses. Die Anlage umfasst diverse Gemeinschaftsräume – u. a. Lesenest, Fahrradwerkstatt, Kulturschuppen – sowie eine große Gartenfläche für alle Bewohner*innen. Eine eigens entwickelte Quartiers-App soll künftig dabei helfen, nachbarschaftliche Aktivitäten unkompliziert zu koordinieren.
Fünf Wohnungen sind für bedürftige Menschen vorgesehen. Sie sollen an Personen mit Behinderung, Senior*innen oder einkommensschwache Menschen zu einem fairen Preis vermietet werden. Die Projektleitung für »Sheridan Park & Junia« hat das Team von PLAN-Z inne, den planerischen Part übernahmen die auf Holzbau spezialisierten Lattke Architekten.
Pa*radieschen e. V.
Die Idee vom Pa*radieschen gibt es seit 2017. Die aktuelle Konstellation aus elf jüngeren Erwachsenen, vier Kindern und zwei Hunden kaufte im Herbst 2023 in Pfersee einen Altbau mit sieben Wohneinheiten, die künftig 17 Menschen ein Zuhause bieten sollen. Als Erstes stand eine Kernsanierung an – einschließlich Dämmung, Austausch von Elektrik, Sanitär- und Heizungsanlagen sowie Einbau neuer Fenster. Hierfür beauftragte die Eigentümergemeinschaft Unternehmen, zugleich legt sie, wo möglich, selbst Hand an und renoviert in Eigenleistung. Den Umbau plant und leitet Christian Z. Müller (TEAM-A-2 Architekten).
Das Haus soll nicht nur als Wohnraum dienen: Im Keller soll ein großer Veranstaltungsraum mit separatem Zugang entstehen. Dieser soll Platz bieten für nachbarschaftliche Zusammenkünfte, Lesungen, Konzerte und viele weitere Ideen der Menschen, die hier künftig wohnen – abseits von Mainstream und kommerziellen Interessen.
Hauskauf und bisherige Baumaßnahmen wurden zum großen Teil durch Direktkredite finanziert – über 250 Personen leisteten bisher Unterstützung. Da das Haus über viele Jahrzehnte nicht saniert wurde, tauchen im laufenden Umbau immer wieder unvorhergesehene Schwierigkeiten auf, die den Baufortschritt verzögern und weitere Kosten verursachen. Pa*radieschen e. V. sucht daher dringend nach weiterer finanzieller Unterstützung sowie helfenden Händen, um den für Oktober 2025 vorgesehenen Einzug bald wahr werden zu lassen.
Haus Tür an Tür
Für das Gemeinschaftsprojekt der Tür an Tür – miteinander wohnen und leben gGmbH und der Siedlungsgenossenschaft Firnhaberau fand sich Ende 2021 ein städtisches Baugrundstück auf dem Gelände der ehemaligen Flak-Kaserne. Rund ein Jahr zuvor hatten Haupt- und Ehrenamtliche im Rahmen eines Workshops ihr erstes Konzept für ein Bauprojekt zugunsten sozial benachteiligter Menschen entwickelt, das passende Angebote einschließt und gutes Zusammenleben in einer vielfältigen Nachbarschaft ermöglicht.
Nach dem Grundstückserwerb in Erbpacht erhielt das Architekturbüro Streidl – Gilg – Wolf den Auftrag für Planung und Bauleitung. Vom Grundstückskauf am 28. Dezember 2021 über die Planung, den Spatenstich am 20. Januar 2023, den Hebauf am 24. November 2023 und den Erstbezug der Mietparteien im September und Oktober 2024 vergingen knapp drei Jahre – eine vergleichsweise kurze Bauzeit.
Das neue »Haus Tür an Tür« erfüllt aktuelle Klima- und Umweltstandards. Dank Holzbauweise bietet es hohe Wohnqualität bei reduziertem Ressourcenverbrauch und geringem CO2-Ausstoß. Zwei begrünte Dachflächen sind mit einer PV-Anlage ausgestattet, zudem wird Regenwasser genutzt und mit Fernwärme geheizt. Ein Teil des Laubengangs ist über alle Geschosse begrünt.
Ermöglicht wurde das Bauprojekt »Haus Tür an Tür« durch öffentliche Zuschüsse und Darlehen für den sozialen Wohnungsbau sowie maßgeblich durch Spenden und Kredite von Privatpersonen, Vereinen und Stiftungen.
www.tuerantuer.de/haus-tuer-an-tuer
Allgemeine Baugenossenschaft Augsburg und Umgebung eG
Die 1908 gegründete Allgemeine Baugenossenschaft für Augsburg und Umgebung eG ist eine gemeinwohlorientierte Wohnungsgenossenschaft mit rund 960 Wohnungen sowie mehreren Gewerbeeinheiten in der Region. Sie setzt sich für stabiles, bezahlbares und sicheres Wohnen ein. Alle Objekte werden kontinuierlich modernisiert und instand gehalten. Das Genossenschaftsmodell gewährleistet Mitbestimmung, Gemeinschaft und langfristige Sicherheit – statt einer reinen Mieter*-Vermieter*-Beziehung.
Die AB will mehr als nur ein Dach über dem Kopf bieten: Ihr Konzept verbindet Wohnqualität mit Fairness, Verlässlichkeit und Offenheit. Mitglieder profitieren von stabilen Mieten, zeitgemäßem Wohnraum und einem stets ansprechbaren Service – mit Fokus auf die Zufriedenheit der Bewohner*innen. In Zeiten eines intransparenten Wohnungsmarkts garantiert der Beitritt zu einer Baugenossenschaft Sicherheit für unterschiedliche Lebenssituationen.
Wer AB-Mitglied werden will, zeichnet Geschäftsanteile, wird so Miteigentümer*in – und profitiert in der Folge von wichtigen Mitentscheidungsoptionen sowie lebenslangem Wohnrecht. Gewinne fließen nicht an Investor*innen, sondern werden in die Modernisierung, Instandhaltung und Entwicklung des Wohnungsbestands reinvestiert. Die AB verspricht: Genossenschaftliches Wohnen bedeutet Stabilität, Nachbarschaftlichkeit und einen gemeinschaftlich getragenen Blick in die Zukunft. Hier wohnt man nicht nur, sondern gehört dazu.
Das könnte Sie auch interessieren
Caspar Walter – Ein Wegbereiter des Augsburger Welterbes
C-Stadt Augsburg
Die Idee klingt vielversprechend: Der ehemalige große Teleskopgasbehälter, ein denkmalgeschütztes Industrierelikt mit 53 Metern Durchmesser, soll zur Multifunktionshalle werden. Bis zu 1.500 Menschen könnten hier künftig Konzerte erleben oder Sportveranstaltungen besuchen – ein Basketballfeld würde problemlos hineinpassen. Die Zusammenarbeit zwischen SWA, dem Metallbauer Johannes Ankner (B.A.R GmbH) und der Club- und Kulturkommission Augsburg zeigt: Es gibt Willen und Engagement.