Aus dem Vollen geschöpft
Die spartenübergreifende Produktion des Staatstheaters Augsburg zeigt eindringlich die düstere Kehrseite der Schöpfungs-Medaille, die Zerstörung heißt. Am Palmsonntag offenbarte sich - vorerst nur auf der Bühne - »Das Ende der Schöpfung« in einer künstlerisch bemerkenswerten Leistung aller Beteiligten.
Kurz gesagt: Das Konzept ging auf! Weiß und Schwarz wurde zum konsequenten »Grau«en vermischt! Kontrastreich und gleichzeitig schlüssig gelang die moderne szenische Fortschreibung von Joseph Haydns 1798 uraufgeführtem Oratorium »Die Schöpfung«, das in lebensbejahender Manier die in sieben Tagen erschaffene Welt preist. Komponist Bernhard Lang ergänzte die ersten Teile mit einem beklemmenden finalen Kapitel, das mit Gänsehaut-Effekt die Ausweglosigkeit auf der eisigen Erde orchestriert und in den gleißenden Vokalpartien die Finsternis als Folge von Krieg und anderen menschengemachte Krisen greifbar macht. Gerade wegen seiner intensiven apokalyptischen Zumutung ist diese Uraufführung, die Staatstheaterintendant André Bücker initiierte und inszenierte, mit sieben Schauspiel-Dialogen und einem neuen Libretto bereicherte, sehenswert, ja mehr noch hörenswert!
Der Besuch der zweiten Vorstellung am 21. Mai lohnt nicht zuletzt, weil man dann auch Sopranistin Jihyun Cecilia Lee als Erzengel Gabriel erleben kann, die sich sanglich erkältungsbedingt von Katja Stuber und Evgeniya Sotnikova als hochkarätigen Einspringerinnen »doubeln« lassen musste.