Ausstellungen & Kunstprojekte

Alle Jahre wieder: Kunst aus Schwaben

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Wenn etwas zum 76. Mal in Folge über die Bühne geht, darf dies wohl als traditionsreich beschrieben werden: Im Glaspalast ist wieder die regionale Überblicksschau des Berufsverbandes Bildender Künstler zu erleben.

Jedes Jahr aufs Neue reichen Künstler*innen, die in der Region geboren wurden oder dort leben, zwei ihrer Werke sowie ein Konzept für die »Große Schwäbische Kunstausstellung« ein. – diesmal waren es 400. Jedes Jahr aufs Neue bleibt am Ende nur rund ein Viertel davon übrig, ausgewählt von der zehnköpfigen Jury. In diesem Jahr haben es 85 Arbeiten in die Ausstellung geschafft. Eine Konstante scheint die Altersstruktur der beteiligten Künstler*innen zu sein: Sie sind überwiegend in den 1950er- und 1960er-Jahren geboren, die jüngsten in den 1980er Jahren. Für wirklich junge Künstler*innen spielt die »Große Schwäbische« offensichtlich keine Rolle.

Aus einer größeren Anzahl von Kunstwerken eine schlüssige Ausstellung zu gestalten, ist ohne Frage eine Herausforderung, vor allem, wenn es wie hier keine thematische, formale oder mediale Klammer gibt. Jedes eingereichte Kunstwerk bzw. Konzept wird für sich bewertet, sodass am Ende dieses Prozesses in der Halle 1 des Glaspalastes Arbeiten versammelt sind, die untereinander keinen Zusammenhang aufweisen. Um dieses umfangreiches Konglomerat einzelner künstlerischer Arbeiten zu einer schlüssigen Ausstellung zusammenzuführen, bedarf es einer klugen Inszenierung, die sowohl ästhetische wie inhaltliche Fäden spinnt, Blickachsen und Bezüge herstellt und die Besucher*innen auf einen abwechslungsreichen Rundweg führt. In diesem Jahr hinterlässt dieser Weg den Eindruck gedämpfter Zurückhaltung. Selbst »Erzählungen«, die zentrale Rauminstallation von Rudolf Zimmermann, umgibt eine merkwürdige Stille. Farbstarke großformatige Arbeiten, wie die von Daniela Kammerer oder Erwin Roth sind Ausnahmen, die so platziert sind, dass den leisen, auf den ersten Blick unspektakulären Werken, wie Stefan Fischers Videostudien zu Spiegelungen auf leicht bewegtem Wasser, genügend Raum und Aufmerksamkeit gewährt wird. Fischer abstrahiert durch den Bildausschnitt und die Unverortbarkeit das Gezeigte zu Wellenmustern. Abstraktion und Transfer findet sich auch in den sparsamen Landschaftslinien von Lois Rinner, Christine Reiters dunkelmassiven Bergen, Regina Wiesers Cyanotypien einer gedachten Tiefsee, oder Ebby Hausers fotografischem Durchblick. 

Zu den zurückhaltenden Werken gehören auch die Arbeiten der diesjährigen Kunstpreisträgerin Christine Metz. Ihre zarten mit außergewöhnlicher Akkuratesse ausgeführten Bleistiftzeichnungen scheinen auf den ersten Blick abstrakt, doch dann erkennen wir Erdhaufen, Schnee – es handelt sich um Maulwurfshügel, die Metz, exakt von oben betrachtet, präzise darstellt. Versehen mit Nummerierung und Geodaten erinnern sie an wissenschaftliche Zeichnungen, doch ihren ungemein großen Reiz erlangen sie durch die verschiedenen Transfers, die die Künstlerin vornimmt. Ausgehend von einer realen kleinteiligen Momentaufnahme, mit der Kamera festgehalten, wird daraus in den langen Monaten des Zeichenprozesses ein Kunstwerk, das verschiedene Ebenen der Wahrnehmung schichtet, die sich der Betrachter*in Schritt für Schritt erschließen. Und doch bleibt am Ende ein Geheimnis … Die beiden wunderbaren Zeichnungen – Teil einer größeren Serie – wurden für die Kunstsammlungen Augsburg erworben.

Die schlüssig kuratierte Ausstellung in der Halle 1 im Glaspalast erweist sich wie immer als probater Zustandsbericht, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität. Sie läuft bis zum 5. Januar. Samstags um 15 Uhr führen Künstler*innen gemeinsam mit Kunstvermittler*innen durch die Ausstellung. Der reich bebilderte Katalog zeigt sämtliche Arbeiten und kostet 18 Euro. Und wie immer gilt: Diese Kunst darf gerne gekauft werden!

In diesem Jahr werden 85 Arbeiten von 41 Künstlerinnen und 27 Künstlern im H1 im Glaspalast präsentiert. Zu sehen ist ein Querschnitt des künstlerischen Schaffens im Bezirk Schwaben, ausgewählt von der Jury aus 400 Einreichungen. 
Getragen wird die umfangreiche Schau von den beiden schwäbischen Verbänden des engagierten Berufsverbandes. 
Die Große Schwäbische ist – wie fast alle Gruppenausstellungen zwischen den Jahren – eine Verkaufsausstellung.

Ergänzend zur Ausstellung gehen 12 Künstlerinnen und Künstler der Großen Schwäbischen im Rahmen der Ausstellungsführungen ins Gespräch mit den Besucher*innen. Sie werden dabei begleitet von den Kunstvermittler*innen der Kunstsammlungen und Museen Augsburg (KSMA).

Die zweite Tour findet am Samstag, 7. Dezember (15 Uhr) statt. 
Mit Jeanette Scheidle und Anda Manea, Kunstvermittlerin: Heidemarie Hurnaus

Manea, Große Schwäbische

Anda Manea (*1966 in Blaj/Rumänien)
Ist es möglich, Dinge, die wir erlebt haben, zu überschreiben? Sie nachträglich zu einem positiven Erlebnis
umzudeuten, obwohl das Ursprungsempfinden dazu alles andere als in Ordnung war? In der
kognitiven Verhaltenstherapie wird dieses Verfahren ITTP (Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy) genannt.

Scheidle, Große Schwäbische

Jeannette Scheidle (* 1953 in München)
Gedanken-Linien sind Pfade unseres Denkens, geprägt von Ideen, Erinnerungen, Entscheidungen und Einflüssen. Manche dieser Linien sind tief verankert, andere entstehen und öffnen sich. Gedankenpfade können bewusst hinterfragt, aufgebrochen und dabei neue Linien geschaffen werden.

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