Fiat Money – Es werde Geld!
Über Geld spricht man nicht – oder doch? Ulf Schmidts Geldstück gibt im Sensemble schwindelerregende Nachhilfe in Sachen »Schuld und Schein« und spart nicht an Unterhaltungswert.
Am Anfang war der Goldbarren, am offenen Ende bleiben Schulden – und die gehen auf Kosten kommender Generationen. Soweit, so sondervermögentlich bewährt und bekannt. Gold und dann das »Buchgeld« sind seit Langem eine sichere Bank. Wohl dem, der seine Kredite mit dem Eigenheim absichern kann. Auf dem weltweit schwankenden und auch nach dem Theaterbesuch mysteriös bleibenden Finanzmarkt treffen Global Player und risikofreudige Anleger*innen aufeinander, geraten nicht selten aneinander. Otto-Normal-Sparende verlieren schnell den Überblick und ihr ursprünglich mit Arbeit erworbenes Vermögen. Die Mechanismen und das System des Geldmarkts sind ebenso irrwitzig, wie sie letztlich vom blinden Vertrauen allzu Gutgläubiger profitieren.
Ulf Schmidt hat sein im Revueformat konzipiertes »Geldstück« 2013 geschrieben. Humorvoll-plakativ und mit schwindelerregendem Insidervokabular gespickt gibt er darin Nachhilfe in Sachen »Schuld und Schein«. Kapitel um Kapitel wird die eigentlich komplett absurde Historie des Geldwesens aufgeblättert. Als Regisseur und Ausstatter stellt Sebastian Seidel die musikalisch untermalte und von sechs Darsteller*innen im inflationären Powermodus gestemmte Geldshow schlüssig auf einen Kinderspielplatz. In dessen Zentrum ermöglicht die Rutsche das Auf und Ab an den Börsen, im Sandkasten wird zu Beginn der Goldbarren ausgebuddelt – der Anfang allen Zasters.
Daniela Nering gibt als Conférencière alles, um die durchtriebenen Finanztransaktionen, die den naiven Sparer A (Birgit Linner) gnadenlos in die Abhängigkeit der sportlich auf Gewinn fokussierten Banker B und B2 (Olaf Dröge und Florian Fisch) treiben, zu verhindern oder zumindest zu moderieren – und fürs Publikum via Polaroids zu illustrieren. Als »Herr Kaiser« glänzt Jörg Schur und mimt würdevoll den Souverän, der von oben herab das Spielplatzpersonal zu Erfüllungsgehilf*innen seiner riskanten Eroberungsfantasien mit Waffenbedarf macht. Allerdings ist er immer dann gefragt, wenn es in der Finanzbranche wieder crasht und der drohende Untergang die Menschen draußen verunsichert oder rebellisch stimmt.
Tonangebend an der Gitarre sorgt Michael Schönmetzer als künstlerisch multipler Kreditnehmer und mit Fistelstimme als »Rater R« für logische Interventionen, die schließlich zur Nichtklärung der Schuldfrage in den Moneytalk lenken. Klar: Es sind die Märkte und nicht die Menschen! Am Ende der 100 Minuten wird deutlich, wie eng Kapital und Kapitulation zusammenhängen – und man denkt darüber nach, sein Geld wieder im Strumpf unterm Kissen zu horten. Wie immer: beste Stimmung und viel Applaus im Sensemble Theater für diese zinslos präsentierte Ensembleperformance!
Weitere Informationen zum Stück finden Sie hier.