Das aktuelle Programm startet am 4. Mai und ist mit seinen elf regulären sowie zwei Sonderkonzerten in diesem Jahr eine echte »Herzenssache«. Doch wie sieht die Zukunft aus?
In Jubiläumsjahren neigt man zur Rückschau. Wo hast du Lehrgeld gezahlt, was hat dich überrascht?
Ich habe gelernt, dass nicht alles funktioniert. Zum Beispiel startete ich mit drei Konzerten an einem Tag – Künstlergespräch am Vormittag, ein Abend- und ein Nachtkonzert – und merkte schnell, dass das Publikum überfordert ist. Das war wohl schon die Überraschung: dass es ein Zuviel des Guten geben kann. Und
auch, dass es wenig Sinn macht, bei der Programmkonzeption allzu dramaturgisch zu denken. Nach und nach ist es mir gelungen, ein Konzept zu realisieren, das in der Stadt gut funktioniert und dennoch exakt widerspiegelt, was ich mir vorstelle.
Wie würdest du im Rückblick auf das Erreichte den USP des Festivals definieren?
Dass wir kein Mozartfest sind, das zu 100 % Mozartfest ist. Mehrfach kommuniziert: Wir sind kein Wolfgang Amadeus Mozart-Fest. Bei uns ist Leopold Mozart der Ausgangspunkt – und das ist nicht musikalisch gemeint. Das Universalgenie Leopold ist der Nukleus sowohl für das Festival als auch für das Label Mozartstadt. Das sollten wir anerkennen und uns nicht dafür schämen. Im Gegenteil: Wir können darauf stolz sein. So wie Leopold zu seiner Zeit an allem interessiert war, was die Welt hergab, spiegeln auch wir immer wieder das Phänomen musikalischer und künstlerischer Verbindungen – und damit Weltoffenheit.
Wie wichtig ist die kuratorische Freiheit?
Sie ist zentral. Ich könnte nicht damit umgehen, wenn mir in irgendeiner Form künstlerische Vorgaben gemacht würden. Ich bin dankbar, dass mir bei Jobantritt unter anderem mein Vorgänger Thomas Weitzel diese künstlerische Freiheit zugestand – auch wenn wir in manchen Aspekten der Mozartfest- Ausrichtung unterschiedlicher Ansicht waren.
Wenn wir dich in zehn Jahren interviewen: Was hätte sich wohl verändert? Wohin geht die Reise mit Mozart und Co.?
Wir wissen nicht, wie und in welche Richtung sich unsere musikalische Welt verändert, welche Innovationen und Formate sich entwickeln und durchsetzen. Das wird auch die Struktur des Mozartfests beeinflussen. Vor zehn Jahren gab es manches noch nicht, was ich heute als Veranstalter präsentieren kann. Die Szene ist extrem lebendig. Sie wird konstant kreativer und wirft alte Schubladen beherzt über den Haufen. Mein eigenes musikalisches Denken wird sich entsprechend verändern – aber es wird immer authentisch bleiben. Gesetzt den Fall, dass mein Budget ebenso wie die Unterstützung der Stadt, des Freistaats und
der Sponsor*innen bleibt – denn beim Thema Qualität mache ich keine Abstriche –, hätte ich gern, dass das Mozartfest in seiner Struktur so bleibt. Wir haben inzwischen eine Programmatik erreicht, die dem sehr nahekommt, was ich hier realisieren wollte.
Dein Ideal ist also erreicht – keine Wünsche offen?
Natürlich schwebt mir noch vieles vor. Unter anderem würde ich mir wünschen, dass in zehn Jahren ein akustisch passabler Konzertsaal für 600–700 Menschen zur Verfügung steht. Aber es geht nicht um »Wünsch dir was« – das steht nicht in meiner Verantwortung. Wir haben auch gelernt, mit unserem kleinen Team ein Festival auf internationalem Niveau zu stemmen und unter anderem auf unnötige, kostspielige Werbung zu verzichten.
Nach wie vor sind dein Geschmack und deine Kenntnis prägende Faktoren. Wir als Publikum vertrauen deinen künstlerischen Antennen …
Ja, das ist ein wesentlicher Teil meines Jobs. Ich muss wissen, was draußen musikalisch passiert. Es zählt zu meinen Aufgaben, dieses Angebot wahrzunehmen und Kontakte zu knüpfen. Das macht Spaß, ist aber auch echte Arbeit – sonst könnte ich hier kein Ergebnis liefern. Ich habe gelernt, dass ich dann ein authentisches Programm habe, wenn es mich selbst überzeugt und begeistert. Dann kann ich das Mozartfest auch gegenüber kritischen Stimmen verteidigen. Ich »buche« die Künstler*innen, die ich hier erleben will, immer unter der Prämisse extrem hoher Qualität. Genauso wichtig sind mir einzigartige Persönlichkeiten und die Menschlichkeit hinter der Musik.
Die überregionale Strahlkraft ist kein (Fern-)Ziel?
Es gibt zahlreiche Klassikevents in Deutschland auf hohem Niveau. Ich erhebe nicht den Anspruch, dass Besucher*innen aus ganz Deutschland oder der Welt anreisen. Unser Angebot ist singulär in und für die Region, wir sind hier verankert. Alles andere wäre illusorisch. Wenn die Augsburger*innen ihr Mozartfest »geil« finden, weil diese großartigen Gäste aus aller Welt hier konzertieren, ist viel erreicht. Und unsere Gäste machen in Augsburg eine positive Erfahrung, weil wir uns persönlich und umfassend um sie kümmern. Das wissen auch hochkarätige Künstler*innen sehr zu schätzen – das zeigt uns das Feedback im Kontext des Bookings.
Du bleibst also dem Mozartbüro und Augsburg treu?
Wenn keine Situation eintritt, die meiner Vorstellung des Festivals entgegenläuft, gern. Auf zehn Jahre hin kann ich aber guten Gewissens nicht ausschließen, dass ein Punkt kommt, an dem sich alles im Kreis dreht oder mir die nötige Energie fehlt …