Ausstellungen & Kunstprojekte
Literatur

Mit Geschichten gegen Antislawismus

From the Block
Gastautor

Im Rahmen der »Wochen Gegen Rassismus« fand am 27. März im KARO10 eine besondere Veranstaltung statt. 

Die Augsburger Fotografin und Initiatorin des Abends Natalia Stańczak (sandsackfotografie) brachte für »From The Block« verschiedene Perspektiven zusammen. Beworben wurde der Abend als Erzählcafé mit einer Ausstellung und osteuropäischer Fusionsküche von soulfoodboy und schaffte doch weit mehr als das. Beteiligt war Stańczak mit Fotografien. Zudem schuf sie ein Archiv aus Gegenständen, die Besucher*innen mitbringen und fotografieren lassen konnten. Zwei weitere Augsburger Kunstschaffende präsentierten ihre Werke: Alexander Yarmak ist ebenfalls Fotograf und stellte visuelle Geschichten in Form einer Bilderreihe aus. Elena Rohloff verwebte ihre Familiengeschichte in Form eines Buches mit historischen Ereignissen in West- und Osteuropa. Wichtig zu erwähnen sind außerdem Antonia Włodarczyk und Ewelina Białoszewska, die mit ihren persönlichen Fotografien die Ausstellung bereicherten. Sasha Lavrenchuk nahm zum einen mit dem Projekt »SchoDeNikoly« mit Kyrylo Alferiev als Fotograf und Irina Ozi als Künstlerin teil: Sie kombinierten Fotografien, Kunst und Gedichte und schufen so multimediale Kunstwerke. Zum anderen war Lavrenchuk in einer Videoinstallation zu sehen, bei der sie ihre Gedichte in deutscher Übersetzung vortrug.

Meine Erwartungen an das Event beschränkten sich zunächst auf die Aufarbeitung antislawischer Diskriminierungserfahrungen. Doch bereits durch die Einführung wurde klar, dass der Fokus vielmehr auf den Austausch zwischen Menschen liegt als auf reiner Aufklärungsarbeit: »Es ging uns in erster Linie nicht um die ‚Besprechung‘ von Antislawismus, sondern wir wollten einen Raum für gegenseitigen Austausch, Zuhören und Zwischenräume schaffen«, so Stańczak im Gespräch mit mir.

Auch Elena Rohloff betonte die Notwendigkeit eines offenen Austauschs, um die Dopplung der Unsichtbarkeit in der Gesellschaft greifbar zu machen – unsichtbar gemacht werden und aufgrund von Diskriminierung unsichtbar sein wollen: »Man ist da, aber nicht angekommen.«

Alexander Yarmak teilte diese Schwierigkeit, sich durch das Gesehen werden verletzlich zu machen: »Es ist leichter, seine Erfahrungen durch die Arbeiten zu zeigen als darüber zu reden.« Umso wichtiger ist darum die Interdisziplinarität des Events, um allen verschiedene Zugänge zu bieten.

Ein gelungener und emotionaler Abend also, der vielen Menschen das Gefühl vermittelte, gesehen zu werden. Diese Veranstaltung verband durch das gemeinsame Essen und Multimedialität, aber vor allem durch die Offenheit aller Beteiligten ganz unterschiedliche Menschen über die Grenzen der Nationalität hinaus.

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