Politik & Gesellschaft

Mehr als ein Türschild

Kulturrefeart Türschild
a3kultur-Redaktion

Ein Kommentar von Jürgen Kannler.

Spätestens mit Florian Freunds Wahl zum neuen OB in Augsburg nahm die Diskussion um die zukünftige Besetzung der städtischen Referate Fahrt auf.


Gemeinhin gilt die parteipolitische Besetzung dieser, auch finanziell attraktiven Wahlämter als sichtbarer Ausweis im internen Machtverhältnis einer Stadtregierung. Zuweilen werden die Posten aber nach Ausschreibung und Wahlverfahren mit externen Expert*innen besetzt. Wobei die Regierungsparteien hier in der Regel ein Vorschlagsrecht nach Proporz ausüben. Natürlich garantiert dieses Verfahren kein Gelingen im Amt.

Nicht nur für die a3kultur-Redaktion ist es von besonderem Interesse, ob das Kulturreferat der Stadt Augsburg neu besetzt wird oder ob der bisherige Amtsinhaber Jürgen Enninger die Chance für eine zweite Amtszeit erhält. Für diese Variante haben sich in a3kultur jüngst zahlreiche Vertreter*innen von einigen tausend Kulturmacher*innen in unserer Stadt ausgesprochen. Eine eindrucksvolle Positionierung, der sich ständig weitere namhafte Vertreter*innen der regionalen Kulturorte und Szenen angeschlossen haben. Zu Lesen in dem Beitrag »Fachwissen und offenes Ohr«.

In kurzen Statements argumentieren die Künstler*innen und Kreativen immer wieder mit dem offenen und vertrauensvollen Umgang, den Jürgen Enninger seit seinem Amtsantritt im Herbst 2020 geschaffen hat. Das war in Augsburg nicht immer so, wir erinnern uns …

Dieses Netzwerk ist eine starke Basis für eine zweite Amtszeit.

Nun ist Jürgen Enninger jedoch Parteigänger der Grünen und gehört damit ebenso wie die CSU zu den großen Verlierern der letzten Wahl. Im Gegensatz zur Union wird Enningers Partei derzeit jedoch nicht erneut die Chance wahrnehmen, in Augsburg Regierungsverantwortung zu übernehmen. Das macht den beliebten Politiker nicht wirklich zum Favoriten, wenn es darum geht, das Referat der wohl neuen Regierung aus SPD, CSU, FW und Gen Aux neu zu besetzen. Dass sein Name bislang noch nicht von der Liste gestrichen wurde, hat vor allem mit dem Rückhalt zu tun, den er in weiten Teilen der Kulturszene genießt. Bis zum Redaktionsschluss ist das Thema offen und wird heiß diskutiert. Zuweilen auch überhitzt. Unter dem Betreff »Gerüchteküche« werden in den SN Namen und Theorien verheizt. Die kursierende Falschmeldung »Freund plant nicht mit einem Kulturreferat« befeuerte die Hysterie dann endgültig auf Hühnerhof-Niveau.

Der Respekt vor Kulturorten und Künstler*innen ist nicht an ein Referat gekoppelt

Um es deutlich zu sagen: Es geht nicht darum, unter allen Umständen ein Kulturreferat zu besetzen. Menschliche Qualitäten und die Expertise der Amtsinhaber*innen sind ebenso entscheidend wie eine gute personelle und finanzielle Ausstattung dieser Institution. Dabei ist es zweitrangig, unter welchem Titel diese firmiert. Es gibt genügend namhafte Kulturstädte im deutschsprachigen Raum, die hervorragende Arbeit beispielsweise über ein starkes Kulturamt leisten. Respekt vor der Bedeutung von Kunst und Kultur beweist man nicht durch ein Türschild in der Stadtverwaltung mit der Ausschrift Kulturreferat. Man zeigt den Respekt in der Pflege und Entwicklung seiner Kulturorte sowie im Umgang mit den Künstler*innen und Kulturmacher*innen vor Ort. Im Umgang mit seinen Kulturorten hat die Politik der Stadt Augsburg in den letzten Jahren vor allem ihr Versagen bewiesen. Jürgen Enninger war Teil dieser Politik. Sein Empfehlungsschreiben für die Weiterführung des Kulturreferats wird jedoch gerade von der wachsenden Zahl an Unterstützer*innen aus allen Bereichen unseres kulturellen Lebens formuliert. Diese Tatsache ist hoch zu bewerten.

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