Aqua Fluit
Nichts weniger als das »Erbe der Welt« wurde diesmal im Kongress am Park von den Augsburger Philharmonikern sinfonisch verhandelt.
Unter der Leitung von GMD Domonkos Héja, der wie immer Präzision mit hohem Elan kombinierte, standen Beethovens »Pastorale« und die opulent – mit großem Chor und zwei Gast-Solist*innen – besetzte Auftragskomposition »orbis aquarum – Eine neue Wassermusik« von Wolf Kerschek auf dem Programm.
Spannungsreich schöpfte das Konzert aus dem Reichtum orchestraler Klangfarben und feierte die Urkräfte der Natur, die hier wie dort und damit im zeitlichen Abstand von gut 200 Jahren die Menschen zu Achtsamkeit im Umgang mit ihren Schönheiten und Ressourcen motivieren.
Wolf Kerschek (*1969) hat in Augsburg bereits eindrucksvolle kompositorische Spuren gelegt. So lag es nah, ihm auch die vom Staatstheater gemeinsam mit dem UNESCO-Welterbe-Büro der Stadt beauftragte Hymne an das Wasser anzuvertrauen. Er selbst verortet seine emotional ansprechende Tonsprache im Bereich der Programmmusik. In seiner »Wassermusik«, die auch als Ode an die Stadt Augsburg konzipiert wurde, taucht er virtuos in den zeitlos gültigen Schatz lateinischer Texte von u. a. Ovid, Cicero und der Vulgata (lateinische Bibel) ein – das alles berauschend als Großklang-Erlebnis, überraschend und raffiniert im Detail. Dazu zählten die mystisch anmutenden Höhenflüge mit der Bambusflöte (Katie Zahn) und das verblüffende Darbuka-Solo als Intro in den sechsten und finalen Satz »Communis aqua« (Wasser ist Gemeingut). Rony Barrak demonstrierte seine perkussive Fingerfertigkeit im Umgang mit der kelchförmigen Einhandtrommel mit dem so besonderen metallischen Klang. Dazu zählte auch die Qualität und Intensität, mit der sich der Opernchor als tragendes Element des Werkes präsentierte. Immer wieder meldete sich auch Orff zwischen den fantasievoll welt- und filmmusikalisch grundierten Notenzeilen zu Wort. Bleibt die Hoffnung, dass nach seiner euphorischen Aufnahme beim Publikum das in Augsburg uraufgeführte Kerschek-Werk nicht untergeht, sondern als klingendes Element etwa in einem Tonträgerformat unsere urbane Wasserlandschaft nachhaltig bereichert!