Ausstellungen & Kunstprojekte
Workshop

Wer werden wir?

Portrait XO © Dan Gorelick
a3kultur-Redaktion

Unter dem Motto »Becoming« lädt das Augsburger Medienkunstfestival lab.30 vom 29. Oktober bis 1. November dazu ein, über Veränderung, Möglichkeiten und die Zukunft nachzudenken.

Wer oder was werden wir? Wohin entwickeln wir uns? Und wer entscheidet darüber? Ein Höhepunkt des diesjährigen Programms ist der Auftritt der international bekannten Medien- und KI-Künstlerin Portrait XO (siehe Foto), die mit ihrer audiovisuellen Performance »The Cost of Connection« experimentelle Musik, künstliche Intelligenz und Data Sonification zu einer eindringlichen Auseinandersetzung mit den globalen Herausforderungen unserer Gegenwart verbindet. Ausgangspunkt sind Daten aus den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, die sie in Klang und visuelle Formen übersetzt. Denn wir sind noch nicht fertig – weder als Individuen noch als Gesellschaft, und auch nicht im Umgang mit den Technologien, die unsere Gegenwart zunehmend prägen. Zwischen künstlicher Intelligenz, menschlicher Kreativität und neuen Formen des Zusammenlebens eröffnet Medienkunst Räume, in denen Fragen nicht nur gestellt, sondern sinnlich und gemeinsam erlebt werden können.

Ein begehbares Labor für zeitgenössische Medienkunst

Beim lab.30 verwandelt sich das Kulturhaus abraxas erneut in ein begehbares Labor für zeitgenössische Medienkunst. Über 30 internationale Künstler*innen zeigen interaktive, audiovisuelle und partizipative Arbeiten zu Wahrnehmung, Identität, Kommunikation und unserem Verhältnis zu digitalen Systemen. Arbeiten wie »Komprimat« von Linus Fritz oder »The Better You« von Wilhelm Tischbein lassen Besucherinnen und Besucher von KI bewerten – und am Ende sogar komprimieren. »Digital Echoes« von Christopher Thomas ermöglicht ein Gespräch mit einer KI-Kopie vorheriger Nutzender, und bei »La Metà« von Daniel Meeh erhalten Besuchende auf eine persönliche Frage eine überraschende KIGegenperspektive, gedruckt auf ein Getränkeetikett. Das Staatstheater Augsburg präsentiert mit »Kafka/ Ich« ein digitales Gespräch mit einer Kopie von Franz Kafka. Neu ist die Kooperation mit dem Hertzlab des ZKM Karlsruhe: Die Konzept-Ausstellung »MARS!« entwirft eine demokratische Besiedelung des roten Planeten, im elektronischen Streichelzoo warten interaktive Robotermeerschweinchen aufs Publikum.

Klang zwischen Körper, Maschine und Zukunft

Zur Eröffnung zeigt Pandelis Diamantides (Zypern) die audiovisuelle Performance »Ground Studies for Pilots«, bei der Herzschlag und Atem ein generatives System aus Sound, Bild und Licht steuern. Die Performance handelt von Orientierung, Unsicherheit und der Frage, wie wir uns in einer zunehmend technologisch geprägten Welt zurechtfinden. In der Kirche St. Thaddäus feiert »Dialogue de l'ombre déformé« seine Uraufführung: In der rund 30-minütigen Musikperformance trifft Fagottist Timm Kornelius auf Mehrkanal-Elektronik und ein von Adrian Ludwig trainiertes KI-Modell, das das Fagott in Echtzeit imitiert, spiegelt, verändert oder ihm widerspricht. Da sich das System mit jeder Aufführung weiterentwickelt, klingt das Stück bei jedem Konzert anders.

Die Wiese der Medienkunst

Erstmals bespielt das lab.30 die Grünfläche hinter dem abraxas. In Kooperation mit dem kidsLab Augsburg und Habitat e.V. entstehen zwei Gewächs- und Gartenhäuser für Familien und junge Menschen, die dazu einladen, digitale Medien nicht nur zu betrachten, sondern selbst aktiv mit ihnen zu experimentieren. In Workshops und zahlreichen Computerspielen des Augsburger GamesPreises werden Kinder und Jugendliche selbst zu Gestalter*innen digitaler Welten – etwa mit einer Maus, die Käse sammelt und dabei der Katze entwischen muss, oder Billardkugeln, die nach berechneten Winkeln und Kräften von der Bande abprallen. Alle diese Spiele wurden von Augsburger Schüler*innen selbst entwickelt und können direkt auf der Medienkunstwiese ausprobiert werden.

Weitere Informationen unter: www.lab30.de 

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