Ausstellungen & Kunstprojekte

Dichter leben in der Stadt

In den vergangenen Jahrzehnten sind unsere Städte immer größer geworden, mehr Einwohner brauchen mehr Raum. Doch permanentes gefräßiges Ausufern bedeutet enormen Flächenverbrauch und lässt die Wege durch die expandierende Stadt verdammt lang werden. Ein horizontales Anwachsen ist keine Lösung. Um urbanes Leben auch in Städten mit vielen Einwohnern zu gewährleisten, muss der vorhandene Raum intelligent genutzt werden. Auch wenn Nachverdichtung immer ein wenig euphemistisch klingt: So lässt sich das machen. Allerdings nur, wenn nicht sämtliche Freiräume dafür geopfert werden. Doch es gilt unbestreitbar: Wenn mehr Menschen in der Stadt leben, müssen wir alle ein wenig zusammenrücken und eventuell unsere eigenen räumlichen Ansprüche ein bisschen zurückschrauben. Wie gehen wir also mit Nachverdichtungen und Freiräumen um? Die sechste Architekturwoche – Teil einer bayernweiten Aktion des BDA –, die vom 17. bis zum 23. Mai in Augsburg stattfand, wollte »dicht säen«, so das diesjährige Motto. In Führungen, Kunstaktionen und vor allem den »Gesprächen unterm Apfelbaum« sollten Antworten gefunden werden.

Wie gehen wir also mit Nachverdichtungen und Freiräumen um?

Zum Start am 17. Mai im Garten des Architekturmuseums im Thelottviertel erschienen leider vor allem Architekten. Wo waren die Bürger dieser Stadt? Architektur geht uns alle an, schließlich sind wir permanent und unvermeidlich von Architektur umgeben. Vielleicht hätte ein wenig mehr und frühzeitigere Werbung geholfen? Die Architekturwoche soll und will ja nicht nur Architekten und Konsorten ansprechen, sondern vor allem uns, die Bürger, sensibilisieren. Dominik Hoppe, Herr über die 10.000 Wohnungen der städtischen WBG, saß als Erster unterm Apfelbaum. Im Gespräch mit dem Architekten Frank Lattke machte er eine gute Figur, stellte manches klar und bekannte sich eindeutig zu einer Stadtgesellschaft, die auch die am Rande Stehenden einbezieht. Auch urbane »Problemfamilien« haben das Recht und Anspruch auf akzeptablen Wohnraum. Auch sie gehören dazu. Wichtig ist es, verschiedene Familientypen und Schichten intelligent zu mischen. Die einen hier, die anderen dort führt nicht zum Erfolg. Gut gebrüllt, Löwe!

»höher.dichter.weiter« bleibt noch bis August im Architekturmuseum

In Führungen, einer Exkursion ins Allgäu und vor allem bei den Gesprächsrunden im Museumsgarten wurden Aspekte, Situationen und Lösungsmöglichkeiten für den Umgang mit urbanem Raum »dicht« beleuchtet. Ende gut, alles gut: Auch beim abschließenden Poetry Slam wurde nochmal ge»dicht«et, was das Zeug hält. Grandmaster Horst Thieme führte durch einen Abend, bei dem man vieles »dichter sehen« (und hören) konnte. Die Architekturwoche ist vorbei, doch die eigens konzipierte sehenswerte Ausstellung »höher.dichter.weiter« bleibt noch bis August im Architekturmuseum. Anhand vielfältiger Beispiele wird gezeigt, wie in und um Augsburg mit Nachverdichtung und freien Räumen umgegangen wird. Neben aktueller verdichtender Bebauung und dem Grandhotel Cosmopolis werden auch unsere groß dimensionierten (manchmal etwas unstrukturierten) Plätze thematisiert. Die Präsentation setzt auf einfache Gestaltungsmittel: Auf einem Boden aus schwarzen Dämmmatten werden die Fotos und Texte zu den behandelten Bauprojekten auf gestapelten weißen Kartons gezeigt. Klar, simpel, großzügig und ideal geeignet, um die Schau auf Wanderschaft zu schicken. (Bettina Kohlen)

Die Ausstellung »höher.dichter.weiter« läuft noch bis zum 17. August, Di – So jeweils 14 – 18 Uhr.

www.architekturwoche.org

Das könnte Sie auch interessieren

Mira Emke
Ausstellungen & Kunstprojekte

Zwischen Aufbruch und Verlust

Bis zum Samstag, den 6. Juni werden in »Augsburgs Wandel in Fotodokumenten« Arbeiten des ehemaligen AZ- Pressefotografen und Bildredakteurs Fred Schöllhorn präsentiert.

Im Vordergrund steht dabei der tiefgreifende urbanistische und gesellschaftliche Wandel der 70er Jahre, welchen Schöllhorn durch damalige aktuelle Bildberichte seit Ende der 60er begleitete.

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

»Neues aus Kalau«

Er ist einer der bekanntesten deutschen Cartoonisten – und ab dem 17. Mai zu Gast in Schwabmünchen
Tobias Conrad
Ausstellungen & Kunstprojekte

Festhalten, Durchlassen

Dem Ozean entrissen, beinahe außerirdisch wirken die Arbeiten, die sich gleich zu Beginn präsentieren. Biomorphe Gebilde aus Stahl und Keramik könnten in ihrer Materialität an Fossilien erinnern, erstarrt und versteinert. Allerdings verleihen ihnen Form und Struktur einen dynamischen Charakter – zusammen bilden sie ein vielschichtiges Ökosystem. Man bewegt sich also in einer lebhaften Atmosphäre.