Klassik

Eindrucksvolle Kostproben junger Violinvirtuos*innen

So kann das Osterfest ausklingen! In Werken von Mozart, Saint-Saens und Mendelssohn-Bartholdy präsentierten Stefan Aprodu, Lucilla Rose Mariotti, Ilgin Top und Sophie Branson gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Douglas Bostock ihr beachtliches musikalisches Feingefühl und enorme spieltechnische Exzellenz. Diesem eindrucksvollen Orchesterkonzert im Rahmen des »28. Internationalen Festivals junger Meister« hätte man im Kleinen Goldenen Saal definitiv ein größeres Publikum gewünscht! 

Vielleicht stand in diesem Jahr, in dem bereits zum 12. Mal der hochbegabte Violinisten-Nachwuchs aufs »Junge Meister«-Podium trat, das eindrucksvollste Hörerlebnis schon am Beginn eines in vielerlei Hinsicht beglückenden Konzertabends. Nicht zuletzt in seinen raffinierten, kühn und klar ausgestalteten Kadenzen verblüffte der 2003 in Bukarest geborene Geiger und Komponist Stefan Aprodu. Mit einer wundervoll dunkel klingenden Violine und seiner unprätentiösen, hoch souveränen Spielweise »transponierte« er Mozarts Violinkonzert Nr. 3 spannungsreich und im ausbalancierten, wachen Dialog mit dem Orchester in unsere Gegenwart – ein grandioser »Mozart 2.0«-Coup! 

Wieviel Emotion, Eleganz und Elan im spätromantischen Schaffen von Camille Saint-Saens steckt, legte in einem Hochleistungsakt die 25-jährige Italienerin Lucilla Rose Mariotti offen. Gerade in den diabolischen Passagen, die das spanisch inspirierte Virtuosen-Stück »Introduction et Rondo capriccioso« prägen, behielt sie stets die klangliche Bodenhaftung und brillierte mit technischer Akkuratesse. So gab es schon zur Pause verdient stürmischen Beifall. 

In der Mozartstadt darf Mozart ein zweites Mal die Reverenz erwiesen werden: So nutzte Ilgin Top das melodiöse Wechselspiel von lyrischen und lebhaften Partien im »Rondo C-Dur KV 373 für Violine und Orchester« für eine ausgefeilte Interpretation. Auch knapp 200 Jahre nach seiner Uraufführung dürfte Mendelssohns Violinkonzert e-moll op.64 noch immer die »Engel im Himmel« erstaunen – dies ganz im Sinne von Joseph Joachim, dessen spielerischem Hochvermögen das Werk gewidmet war. Trotz der romantisch-überbordenden Emotionen und Empfindungen, die sich hier Bahn brechen, um atmosphärisch Schmerz und Hoffnung zu umspielen, blieb die erst 20-jährige in Japan geborene Schweizerin Sophie Branson vom »Allegro molto appassionata«-Beginn bis zum »molto vivace«-Finale hochkonzentriert. Ganz bei sich, vollkommen vertieft in die meisterhafte musikalische Handschrift, die auch das fabelhafte Orchester samt Naturtrompeten auskosteten, nahm sie den Saal wohl erst beim intensiven Beifallssturm wahr, der ihr vollkommen präzises Spiel belohnte. Für vier Violinen kunstvoll arrangiert (von Stefan Aprodu) wurde Brahms Wiegenlied zur berührenden Zugabe! 

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