Literarische Momentaufnahmen

24. August 2020 - 10:40 | Juliana Hazoth

Buchbesprechung: »Als Karl seine Stimme verlor« von Sibylle Lang

Nach »Das Abendessen mit dem kleinen Chinesen« veröffentlichte Sibylle Lang dieses Jahr ihren zweiten Erzählband mit dem vielversprechenden Titel »Als Karl seine Stimme verlor«. Die sieben Kurzgeschichten gleichen Momentaufnahmen, die aus dem normalen Leben gegriffen und doch alles andere als alltäglich sind.

Ihren Hintergrund als Fotografin merkt man den Erzählungen der Augsburger Autorin an. Wie mit einer Kamera nimmt sie Momente auf, zoomt ganz nah heran, beobachtet jedes kleinste Detail der Szene. Eigentlich unscheinbare, alltägliche Situationen wirken plötzlich anders, so als wären sie vollkommen neu. Das scheinbar Belanglose wird zum handlungstragenden Element, wenn beispielsweise die misstrauische Erzählerin der Kurzgeschichte »Das Haus am Waldrand« beobachtet, wie auf dem Nachbargrundstück gebaut wird. In dieser zunächst simplen Geschichte schafft es Sibylle Lang, so viel Spannung zu erzeugen, wie sie sonst nur in meisterhaften Krimis zu lesen ist.

Die Autorin lädt in allen sieben Erzählungen ihre Leser*innen dazu ein, genau hinzusehen und reflektiert zu beobachten. Dabei verzichtet sie auf blumige Sprache, verschnörkelte Beschreibungen und ausufernde Handlungen. Stattdessen gibt sie ein präzises Bild wider, das bekannt und doch unbekannt ist. Eine wirklich beeindruckende Leistung und absolut lesenswert!

Weitere Informationen zur Autorin und ihren Werken finden Sie hier:
www.bibliothekderprovinz.at/autor/sibylle-lang/

Sibylle Lang – Als Karl seine Stimme verlor
Klappenbroschur, 170 Seiten
Verlag: Bibliothek der Provinz

Thema:

Weitere Positionen

28. Februar 2021 - 13:58 | Anna Hahn

Der zweite Abend des Brechtfestivals präsentierte unter anderem ein Konzert der »Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot«, Stefanie Reinsperger mit »Ich bin ein Dreck«, Corinna Harfouchs Kurzfilm »Fabriktagebuch/Die Mutter« und einen Beitrag von L-Twills zu Inge Müller.

27. Februar 2021 - 13:40 | Renate Baumiller-Guggenberger

Auftakt zu #digitalbrecht mit der Video-Adaption von Heiner Müllers »Medeamaterial«, Suse Wächters ersten Folgen des Hysterienspiels mit Puppen »Helden des 20. Jahrhunderts singen Brecht« und dem aus der Ukraine übertragenen Konzert des Frauenseptetts »Dakh Daughters«

25. Februar 2021 - 11:48 | Juliana Hazoth

Von Brecht bis heute: Hörspiele schaffen eine besondere Form der Intimität und können gesellschaftlich relevante Themen packend darstellen. Lesebedarf – die a3kultur-Literaturkolumne

24. Februar 2021 - 9:14 | Gast

Martyn Schmidt inszeniert auf seinem Album »kammerton a'a« den demokratischen Neubeginn nach 1945 als großartiges musikalisch-dokumentarisches Hörspiel. Von Gerald Fiebig

22. Februar 2021 - 15:13 | Anna Hahn

Das Staatstheater Augsburg zeigt in seiner Digitalsparte Einar Schleefs »14 Vorhänge« als Uraufführung im imposanten Bühnenbild.

22. Februar 2021 - 11:38 | Martin Schmidt

Der im Hirmer-Verlag erschienene Bildband »Klinger« tröstet über die größtenteils verhinderten 2020er-Jubiläumsschauen zum 100. Todestag des Bildhauers, Malers und Grafikers hinweg. Der Ausstellungskatalog: ein neues Standardwerk und Appetizer auf eine zu erhoffende Ausstellungsfortsetzung.

19. Februar 2021 - 14:04 | Bettina Kohlen

Bei »augsburg contemporary« geht das Projekt »Domestic Space« in die erste von drei Runden.

18. Februar 2021 - 9:30 | a3redaktion

Der Podcast »the ear in earth« präsentiert Audioculture aus Literatur, Poesie und Contemporary Classic

17. Februar 2021 - 6:40 | Gudrun Glock

Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder steckt voller Überraschungen. Einige kreative Macher*innen erschließen dieses Potenzial auf vielfältige Weise und lassen dabei ihrem Einfallsreichtum freien Lauf. Ein Interview mit Anja Dördelmann, Eva Liebig und Stephanie Schmid

15. Februar 2021 - 10:29 | Martin Schmidt

Über Theopoesie: das neue Werk »Den Himmel zum Sprechen bringen« (Suhrkamp) von Peter Sloterdijk