Retro mit Hochspannung
Werkschau »Neues deutsches Möbeldesign der 80er Jahre« im Transform 117
Zwei Ochsensessel, ein Arschkriechertisch und weitere Design-Dekadenzen machen Station in Augsburg – ein Wochenende lang. Im früheren Trafohaus der Hutfabrik Lembert zelebriert der Metallbildhauer Gerold Sauter viel debattierte Grenzen zwischen Drinnen und Draußen, Alltags- und Kunstobjekt. Gemeinsam mit vier renommierten Gleichgesinnten lässt er das wilde Berlin vor der Wende aufleben – vereint in der Rebellion gegen den biederen Mainstream, zuweilen auch die Mailänder Möbelmesse aufmischend.
Großzügig im kargen Raum platziert, verströmen »coole« Exponate Wärme – umgeben von spürbaren Spannungsfeldern. Erstmals in den 1980ern, betont Sauter, stießen unverkleidete Baustoffe wie Beton und Armierungsstahl ins Wohnzimmer vor. Allemal salontauglich erscheinen rostige Bewehrungsstäbe in den weich gebogenen, zart bespannten Skulpturen »Mr. Herz« und »Echo« des Schweizers Robert Wettstein.
Sein Berliner Kollege »Stiletto« Frank Schreiner hingegen liebt sichtlich die Provokation – nicht nur in seinem Glastisch mit Stahlfuß aus obszön verschränkten Figuren oder dem ikonischen Einkaufswagenthron. Neckisch ringeln sich die Ständer seiner Gothic-behauchten Kelchgläser, die ihren organischen Gegenpart in der Leuchtinstallation »Birds« von Heike Mühlhaus finden: Die ebenfalls in der Landeshauptstadt lebende Produktdesignerin verleiht einem banalen Bretterverschlag Flügel.
Träumerische Leichtigkeit evoziert Heinz H. Landes’ fußsignierter Stahlbeton-Freischwinger »SOLID« so wenig, wie er anheimelnd wirkt. Mit Erlaubnis seines stolzen Besitzers Gerold Sauter sollte man daher probefläzen – und selbst spüren, wie sich Design als Schein erweist.
Der Kurator und scheidende Hausherr präsentiert einen Auszug seines Frühwerks: Zwei halbrunde, stoisch anmutende Rinderhälften aus gerostetem Stahl mit Ledersitz entstanden in ehrlicher Brennschneidearbeit – ablesbar an Details wie rau belassenen Kanten. Sauter produzierte die Objekte seinerzeit als Miniserie. Nach Aufgabe seiner am Gelände ansässigen Stahlbaufirma plant er nun, sich ganz der Konzeption von Kunstlösungen zu widmen. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass die »abgründigen« 80er sein Schaffen weiter prägen werden.
Dauer der Ausstellung: 17. bis 19. Oktober 2025
Eröffnung: 17. Oktober um 18 Uhr
Öffnungszeiten: täglich 14–19 Uhr
Frischstraße 8, 86161 Augsburg
Weitere Infos & Termine: www.a3kultur.de/transform-117
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