So geht es in Zukunft besser
In seinem bewusst mit »Plakat«(iven) - Mitteln und hohlen Phrasen operierenden Theaterstück »Wahlschlacht 2021« rückt Regisseur Sebastian Seidel im Krisen-und Wahljahr den internen Machtspielchen der fiktiven LWP-Regierungspartei(en) auf den Leib. Am Ende lässt er das Publikum über die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens als echte Alternative für die Zukunft abstimmen…
Positive Resultate diverser Studien, etliche Soziologen und Philosophen, und selbst der Papst plädieren für ein »garantiertes Grundeinkommen«. Auch in Nicht-Krisenzeiten würde es einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Sicherung, Freiheit und Würde nicht nur der freischaffend Kreativen leisten und vielfach Existenznöte verringern. So kreiste auch das agile Darsteller-Quartett im aktualisierten und ersten Nach-Corona-Theaterstück (2009 hatte Seidel erstmals zu seiner dramatischen »Wahlschlacht« eingeladen) um genau dieses Phänomen, das mit reichlich Hinterhalt, strategischen Scharmützeln und jeder Menge hohler Wahlkampf-Phrasen in einem Pro-und Contra-Schlagabtausch auf beweglichen Podesten und am Biotonnen-Rednerplatz beleuchtet wurde.
Aus der Perspektive der Befürworter hätte die »revolutionäre« Idee in jedem Fall das Potential, um ein bequemes »Weiter so« in ein entschiedenes »So weiter!« umzuwandeln. Denn: »So geht Zukunft!«. Und so lautete auch der Stück und Stimmung definierende Wahlkampfslogan, den der smarte und von allen Seiten umworbene Hoffnungsträger alias »Doktor« nutzt, um die eigene politische Karriere voranzubringen. Florian Fisch lieh seiner Figur die gewollte Mischung aus idealistischer Gesinnung, Naivität und eitler Ambition auf ein verlockendes Spitzenamt, nicht ohne stets auf die unbestechliche Meinung seiner unbestechlichen Gattin zu vertrauen. Daniela Nering verkörperte als »Frau 1,2,3« gekonnt gleich drei unterschiedlich manipulative Politiker-Flüsterinnen, indem sie flugs zum Perspektivenwechsel durch unterschiedliche Brillen schaute, die wie die Krawatten und andere symbolhafte Wahlschlacht-Requisiten aus fester Pappe gefertigt waren. Auch dem feisten und siegessichere Politprofi, genannt »Haudegen« (Wini Gropper), waren im Ränkespiel um die Wiederwahl als Parteivorsitzender alle Waffen inklusive der bierseligen Intuition seiner forschen Gattin recht und billig. Als dessen blasierter Gegenspieler zog Jörg Schur alle Fäden und machte damit dem »Blender«-Image alle Ehre. Aalglatt spiegelte er sich in der Bewunderung seiner devoten Gattin und schmiedete jeweils die opportunsten Allianzen. Logisch, dass in diesen Zeiten am Ende dann eine starke Frau die Chance des Parteitags nutzt, um den abgeschlagenen Alpha-Tieren das Zepter aus der Hand zu reißen. Und auch das Abstimmungsergebnis war eindeutig und alternativlos zugunsten des Grundeinkommens…wie gewünscht und noch fiktiv eine zufriedenstellende, lange mit Applaus bedachte Win-Win-Situation im Sensemble-Theater.