Politik & Gesellschaft

SymPaten – eine effektive Erfindung

Iacov Grinberg
22. Oktober 2018

2011 wurde Augsburg dank seines neuen geeigneten Stadions als Ort für vier Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen ausgewählt. Für alle Partien wurden fast alle 24.605 Plätze verkauft, es war ein Andrang aus aller Herren Länder – Fußball ist international. Das Bündnis für Augsburg – eine lose, aber sehr effektive Vereinigung der Freiwilligen, ein Augsburger Spezifikum, hat entschieden, den Gästen ihre Stadt von der besten Seite zu präsentieren.

Gäste waren in der Stadt vor den Spielen, nach den Spielen und in Spielpausen vor Ort. Daher wollte man ihnen helfen, sich in der Stadt zu orientieren und Sehenswürdigkeiten zu finden – das Projekt »SymPaten« wurde ausgerufen. Mehr als 200 Freiwillige kamen paarweise nach einigen Schulungen in die Stadt, jeweils immer ein Mann und eine Frau, die mit großen orangefarbigen Sonnenschirmen und Rucksäcken voller Karten, Flyer und Leporellos über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten in verschiedenen Sprachen informierten.

Diese Aktion war sehr erfolgreich. Ich kann aus persönlicher Erfahrung bestätigen, das SymPaten während der jeweils zweistündigen Schicht fast die ganze Zeit mit Empfehlungen und dem Beantworten von Fragen der Stadtgäste beschäftigt waren. Auch die Presse hat dieses Ereignis mit ihrer Aufmerksamkeit geehrt. Die Aktion wurde noch ein paar Mal wiederholt, das letzte Mal beim Schwabentag im vorigen Jahr.

Dieses Projekt hat auch bei der Bewerbung für die Welt-Freiwilligenkonferenz, die vom 16. bis zum 20. Oktober in der Kongresshalle stattfand, eine wesentliche Rolle gespielt.

Beim Vorbereitungstreffen im Rathaus im vorigen Herbst waren viele Firmen bereit, alle notwendigen Dienste für die Konferenz zu übernehmen, aber es wurde entschieden, dass, ausgerechnet im Sinne der Konferenz, die Veranstaltung auf freiwilligem Engagement basieren soll.

Es wurden aus zahlreichen Anmeldungen 150 Freiwillige ausgewählt – man brauchte doch ein gutes Englisch, da es die Sprache der Konferenz war. Jeder hat ein dunkelblaues Langarmshirt mit Emblem der Konferenz mit den Worten »Willkommen« in vielen Sprachen und der Bezeichnung SymPate bekommen. Diejenigen, die draußen standen, trugen auch ähnliche Regenjacken. Sie waren am Bahnhof und Königsplatz mit großen orangefarbigen Sonnenschirmen tätig und halfen den Gästen an den Konferenzort zu kommen. Auch am Münchener Flughafen waren SymPaten der Konferenz. Nach Vereinbarung hat das Münchener Freiwilligenzentrums dort einige Freiwillige geschickt, um ihnen den Weg nach Augsburg zu zeigen. Die meisten waren jedoch innerhalb des Gebäudes tätig, sie übernahmen Tätigkeiten bei der Rezeption, im Foyer, im Saal und teilweise auch im Catering.

Die »SymPaten« empfingen die Konferenzteilnehmer mit einem Lächeln, und zwar nicht mit einem mechanischen, sondern mit einem herzlichen. Sie kümmerten sich um Teilnehmer mit aller Kraft wie um eigene willkommene Gäste, versuchten möglichst schnell Fragen zu beantworten und die aufgetretenen Probleme zu lösen. Das Ergebnis dieser Tätigkeit war wunderbar. Das Lob an die Organisatoren seitens der Weltpräsidentin von IAVE Kylie Bates kann man als Formalität betrachten, aber ein langer Applaus des Saals an alle SymPaten, die auf der Bühne aufgerufen wurden, war ehrlich. Eine Vertreterin der ukrainischen Delegation hat mir gesagt, dass so eine herzliche Atmosphäre, die die »SymPaten« geschaffen haben, mit einem angestellten Personal nie zu erreichen wäre. Die Anwesenden haben ihren Worten zugestimmt und das war das größtmögliche Lob.

www.iave.org
www.freiwilligen-zentrum-augsburg.de

Weitere Positionen

21. September 2021 - 11:38 | Fabian Linder

Stadtkultur (mit)gestalten – aber wie? Im Textil- und Industriemuseum lud das Netzwerk »Degraux!« zur Diskussion. Ein erstes Talkexperiment zu den Ankerthemen wie Konsum & Partizipation, Leerstände und Zwischennutzung.

Ein Mann und eine Frau auf einem Sofa sitzend in ein Gespräch vertieft.
20. September 2021 - 12:14 | Sophia Colnago

Passend zur anstehenden Bundestagswahl sprechen Lisa McQueen und Jürgen Kannler in der aktuellen Folge von »Lisa & me« über Lokalpolitik und Sitzungen im Augsburger Rathaus.

16. September 2021 - 10:00 | Marion Buk-Kluger

Für den September können wir Kabarett- und Comedy-Fans (fast) aus dem Vollen schöpfen, denn es ist angerichtet. Quergelacht – die a3kultur-Kolumne von Marion Buk-Kluger im September.

15. September 2021 - 10:47 | Bettina Kohlen

Die erste Premiere der neuen Spielzeit des Staatstheaters setzt digitale Zeichen mit einer VR-Brillen-Produktion, dem Ballett »kinesphere«.

15. September 2021 - 10:34 | Sarvara Urunova

Das Festival »Mozart @ Augsburg« ging am Wochenende zu Ende. a3kultur-Autorin Sarvara Urunova besuchte das Konzert von Sebastian Knauer und Daniel Hope.

14. September 2021 - 13:38 | Sophia Colnago

»Lisa & me« ist die neue Podcastreihe von a3kultur: zwei Personen, ein Mikrofon und jedes Mal ein anderes Thema. Jürgen Kannler und Lisa McQueen im Talk. Hier anhören!

13. September 2021 - 16:06 | Anna Hahn

Ein Hotelzimmer, drei Frauen, ein gemeinsamer Plan – Das Staatstheater feierte Premiere und widmet sich dem Rape and Revenge-Genre.

12. September 2021 - 0:00 | Iacov Grinberg

Iacov Grinberg besucht ungern Wahlveranstaltungen. Für die von Ulrike Bahr (SPD) ausgerichtete Podiumsdiskussion zum Thema »Gut aufwachsen und zusammenleben in der Stadt« machte er eine Ausnahme. Eine Zusammenfassung.

10. September 2021 - 15:00 | Bettina Kohlen

Anlässlich des 500jährigen Bestehens der Augsburger Fuggerei richtet eine Ausstellung des Diözesanmuseums St. Afra den Blick auf das Weltgeschehen der Zeit um 1521.

10. September 2021 - 10:00 | Juliana Hazoth

Die Lyrik, so Dichter Knut Schaflinger, hat es nirgendwo einfach, doch in Augsburg noch weniger. Ein Gespräch mit dem Mitorganisator der Langen Nacht der Poesie.