Teamwork made in Augsburg

pommerscherkunstschrankuebergabe
2. April 2014 - 13:07 | Jürgen Kannler

Der 1617 vollendete Pommersche Kunstschrank ist eine der großen Schöpfungen der europäischen Kunstgeschichte und eine Meisterleistung des Augsburger Kunsthandwerks.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das kostbare Gehäuse aus Ebenholz und Silber zerstört. Der Inhalt konnte jedoch gerettet werden, ist bis heute ein Höhepunkt des Berliner Kunstgewerbemuseums und steht eigentlich auf der Liste der Schätze, die das Museum nie verlassen dürfen. Ausschließlich den umfangreichen Umbauarbeiten, die dieses staatliche Berliner Museum bis auf Weiteres geschlossen halten, ist es zu verdanken, dass das kostbare »Innenleben« des bedeutendsten höfischen Kunstkammermöbels seiner Zeit zwischen dem 28. März und dem 29. Juni im Rahmen der Sonderausstellung »Wunderwelt« im Augsburger Maximilianmuseum zu sehen sein wird.

Würde Philipp Hainhofer heute leben, man würde ihn wohl einen Kurator nennen, einen Kunstentdecker, Kunstvermittler und Kunstagenten. Zu seiner besten Zeit, kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg, lebte der Augsburger Kaufmann sehr gut davon, die Reichen und Mächtigen mit den erlesensten Waren, die zwischen Ostsee und Mittelmeer gehandelt wurden, zu versorgen. Häufig ließ er die kostbaren Produkte von Augsburger Kunsthandwerkern veredeln, die zu damals zu den Herausragenden ihres Fachs zählten.

Bevor Hainhofer zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde, führten ihn seine Studien nach Italien, in die Niederlande und nach Norddeutschland. Zu seiner Bildung und einem wachen Verstand dürfte sich ein ebenso einnehmendes Wesen gesellt haben. In unruhigen Zeiten schaffte er es, ein internationales Netzwerk zwischen Händlern, Handwerkern, Künstlern und letztendlich den Abnehmern seiner Waren zu knüpfen. Diese stammten aus großen Patrizier- und Adelshäusern und hatten an dem umtriebigen Schwaben wohl einen Narren gefressen. Seinen bedeutendsten Abschluss machte er mit Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin. Dieser wird noch heute als Mann erlesenen Geschmacks und großer Gelehrsamkeit beschrieben. Für ihn und seine Gattin Sophia konzipierte Hainhofer in sieben Jahren den Kunstschrank. Mehr als zwanzig Augsburger Kunsthandwerker waren im Einsatz, um die zahlreichen eigens angefertigten Objekte, mit denen der Schrank ausgestattet wurde, zu schaffen. Darunter Schreibzeug, Spiele, Gemälde, Toilettenartikel und wissenschaftliche Instrumente. Auf dem Übergabebild präsentiert Hainhofer dem sitzenden Herzogspaar beispielsweise herzförmig gearbeitetes Tafelsilber. Wie bei einem Abspann im Kino benennt diese im Original nur 30 × 40 cm messende Darstellung alle am Entstehungsprozess des Kunstschranks beteiligen Personen und vergisst auch Tagewerker Hans Linck, zu sehen mit großem Humpen in der Türe, nicht.

Nach 400 Jahren kehrt das einzigartige Ensemble erstmals wieder an seinen Entstehungsort zurück und wird hier zusammen mit weiteren Kunstkammermöbeln und -objekten sowie sämtlichen Stammbüchern Hainhofers präsentiert. Das grafische Vorbild des Beitrags entnahmen wir einer Tafel der Ausstellung.

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