Utopie(n)
Wie vorzüglich die Arbeit ist, die Carolin Nordmeyer seit 2018 als Chefin des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters (sjso) leistet, war einmal mehr im Herbstkonzert mitzuerleben. Ebenso »berauschend« die mit lautem Beifall gewürdigte Uraufführung von Patrick Schäfers Konzert für Orchester, die klanglich jede Menge Staub aufwirbelte.
Bereits beim Auftakt mit Jan Kotsiers (1911-2006) »Concertino für Posaunenquartett und Streicher op. 115« lag knisternde Spannung im erfreulich gut besuchten Kongress am Park. Schnell wurde deutlich, wie vertraut den vier Musiker*innen des Nürnberger Musikhochschule, die als imTROMtus Posaunenquartett firmieren, der interpretatorische Umgang mit der quicklebendigen, ansprechend unterhaltsamen Stilistik sowie den Ecken und Kanten des melodischen Reichtums des Komponisten ist. Insbesondere den dritten Satz gestalteten sie mit blechbläserischer Eloquenz im fein abgestimmten Zusammenspiel mit den Streichern.
Mit großer Neugier und der bei zeitgenössischer Musik explizit erwünschten Offenheit begegnete das Publikum dann Patrick Schäfers brandneuem Konzert für Orchester, das der Förderverein des sjso beauftragt hatte. »Dust« – so der Titel will als »ökologisches Requiem« künstlerisch nichts weniger als das große Thema Nachhaltigkeit umspielen. Bereits im Vorfeld war kommuniziert worden (siehe unser a3kultur-Interview mit Patrick Schäfer), dass der in Augsburg geborene und vielfach ausgezeichnete Komponist mit innovativen, sichtbar mitatmenden Spieltechniken ebenso experimentieren würde wie bei der Klangerzeugung, um den essentiellen Kreislauf des »Staub zu Staub« in der der Partitur zum Ausdruck zu bringen, die Dynamik des universellen Grundrauschens bisweilen ziemlich geheimnisvoll hör- und sichtbar zu machen. Theorie und Praxis klafften hier in der Tat nicht weit auseinander. So ließ sich die komplexe Klangarchitektur, in der immer wieder seltsame Geräusche aufploppten, die den konstant hoch konzentriert agierenden Orchestermitgliedern immer wieder »schräge« Spieltechniken abverlangte, mit allen Sinnen nachvollziehen. Am Ende dieser Klangreise, die raffiniert die Imagination der Zuhörer einbezieht und all den Staub aufwirbelt, der ja nicht zuletzt als »Protokoll menschlicher Abwesenheit« zu verstehen ist, waren manche Zweifel in Richtung neuer Musik ebenso wie die Flusen wie weggeblasen.
Zum sinfonischen Überraschungsereignis wurde nach der Pause auch Tschaikowskys »Fünfte«, die auch als tiefgründiges Bekenntnis zu »unmenschlichen Moralvorstellungen seiner Zeit« zu verstehen ist. So formulierte es der beim Bezirk engagierte Kulturmanager Matthias Hain in seinem lesenswerten Programmheft, so intensiv und dynamisch lebendig interpretierte alle fünf Sätze dieses wirklich erstaunlich präzise und klangschön spielende junge Orchester unter der elanreichen und profunden Stabführung von Carolin Nordmeyer. Diese Exzellenz in Sachen musikalische Nachwuchsarbeit, der Glanz und die Power in Sachen orchestraler Gemeinschaftsleistung wurden mit langem und begeistertem Beifall quittiert
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Ergreifend!
Die 80 jungen Musiker*innen unter der Leitung von Carolin Nordmeyer bewiesen im Kongress am Park überaus eindrucksvoll, dass sie solistisch brillieren und im »tutti« musikalische Spannungskurven von der ersten bis zur letzten Sekunde auf höchstem Niveau zu halten vermögen.