Das Staatstheater Augsburg und das Sensemble Theater sind die wohl bekanntesten Theaterinstitutionen in Augsburg. Doch was gibt es darüber hinaus? Was macht die Theaterlandschaft in dieser Stadt vielfältig? Bei meiner Recherche bin ich auf das Utopia in Action-Kollektiv (UiA) gestoßen, das Theater handlungsorientierter denkt. Ich habe mich mit Nina Roob und Rosa Koeniger zum Gespräch getroffen und über einen mir bis dahin unbekannten, aber wertvollen Ansatz des Theatermachens gesprochen.
Wettlauf gegen die Zeit
»Ich muss was tun, du musst was tun, wir alle müssen …« Die Sozialarbeiterinnen Anika, Barbara und Silvia stecken in Schwierigkeiten: Ihr Kollege Björn hat sich mit einem akuten Burn-out vorerst aus dem Dienst verabschiedet und hinterlässt dem ohnehin schon völlig überarbeiteten Trio eine unüberschaubare Zahl an (Not-)Fällen. Zu allem Überfluss haben die drei Kolleginnen vom Jugendamt auch noch jede Menge private Probleme, die sie bewältigen müssen.
Das Sensemble Theater bringt mit Felicia Zellers bitterbösen Sozialgroteske »Kaspar Häuser Meer« einmal mehr ein gesellschaftlich brisantes Thema auf die Bühne. Nicht die vernachlässigten oder missbrauchten Kinder und Jugendlichen, nicht die Täter stehen im Mittelpunkt des Stücks, vielmehr wird der alltägliche Kampf ihrer Begleiter und Betreuer gezeigt. Björns angehäufte Fälle, Stress im Privatleben, die erdrückende Verantwortung im Job – Anika (Dörte Trauzeddel), Barbara (Claudia Schmidt) und Silvia (Daniela Nering) möchten nur das Beste und mühen sich trotz des alltäglichen Wahnsinns bis zur völligen Erschöpfung ab. Dennoch kann das Trio den Wettlauf gegen die Zeit nur verlieren.
Die restlos überforderten Sozialarbeiterinnen drehen sich im Kreis – eindrucksvoll verdeutlicht durch das chaotische Bühnenbild: Drei offene »Käfige« symbolisieren die Büros der Frauen. In der Mitte thront ein schwarzes Podest, um welches sich die Arbeitsplätze drehen. Regisseurin Gianna Formicone weiß diesen Kreislauf gekonnt in Szene zu setzen. Durch die sich ständig wiederholenden, unvollständigen, abrupt endenden Sätze der Protagonisten wird der Zuschauer förmlich in den Strudel aus zunehmender emotionaler Erschöpfung und steigendem Druck mitgerissen.
Die Inszenierung fordert das Publikum heraus und besticht nicht zuletzt durch drei hervorragende Darstellerinnen, die die nötige Fähigkeit besitzen, sich ohne Punkt und Komma durch das tragisch-komische Stück zu hetzen. »Kaspar Häuser Meer« verspricht einen intensiven und packenden Theaterabend, der dem Zuschauer völlig neue Perspektiven aufzeigen kann.
Weitere Vorstellungen finden am 12., 25. und 26. April sowie am 2., 3., 9., 16., 17., 23. und 24. Mai statt. Der Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet einige Aufführungen.
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