Politik & Gesellschaft

Schön utopisch

a3redaktion
19. Juli 2018

Utopien vermitteln als Visionen eine Idee davon, wie wir uns eine zukünftige Gesellschaft vorstellen. Sie werfen Fragen auf: Wollen wir so weitermachen wie bisher? Wie sieht unsere Welt in X Jahren aus? Wohin führt ein »Denken ohne Geländer« (Hannah Arendt)? Das Kulturprogramm zum Hohen Friedensfest beschäftigt sich vom 22. Juli bis 8. August mit dem Thema »Utopie: Was wäre wenn?« Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Aspekten des gesellschaftlichen Miteinanders. Ein Schwerpunkt bildet die Frage nach dem Wohnen der Zukunft, die gleich in mehreren Projekten aufgegriffen wird. 

Beim Eröffnungsabend am 22. Juli, 20 Uhr, treffen der Schriftsteller Simon Strauss, der Künstler Götz Gramlich und die Musikerin Dota Kehr auf Stefan Greiner, der den Cyborg e.V. mitgegründet hat und eine alternative Vision für eine Mensch-Maschine-Zukunft entwickeln möchte. Die Runde diskutiert gemeinsam mit Moderator Achim Bogdahn über ihre Vorstellungen einer Welt von morgen und ganz persönliche Utopien. Begleitet und inspiriert wird die Veranstaltung im Kleinen Goldenen Saal von den szenischen Darstellungen »Alle Macht der Phantasie!« aus dem Stück »1968. Geschichte kann man schon machen …« des Theaters Augsburg.

2017 war ein Jahr der »utopischen« Jubiläen: 1897 formuliert Theodor Herzl seine Vision eines jüdischen Staates. 1917 kommt es zur russischen Revolution, die eine gerechte Gesellschaft verspricht, jedoch in einem totalitären System endet. 1967 wird der Student Benno Ohnesorg erschossen. Der Freispruch des Täters führt zu einer Radikalisierung von Teilen der Studentenbewegung. Ein Anlass für das Goethe-Institut Tel Aviv die Plakatausstellung »The Art of Utopia« zu initiieren. Vom 23. Juli bis 8. August ist die Schau, in der 35 internationale Plakatgestalter*innen zum Thema Utopie Stellung beziehen, erstmals in Deutschland zu sehen – im Foyer der Stadtsparkasse Augsburg, in der Galerie Noah und im öffentlichen Stadtraum (Führung zu allen Exponaten: 23. Juli, 11 Uhr, Bürgerinfo am Rathausplatz).

Premiere feiern heuer die »1. Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement« in der Neuen Stadtbücherei. In diesem neuen zweitägigen Forum treffen sich Autor*innen, Filmemacher*innen und Musiker*innen, um über die (Un-)Möglichkeiten des Engagements heute zu sprechen. Was ist die Rolle der Künstler*innen, die quasi von Berufswegen mit ihrer Arbeit gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln und mit der Öffentlichkeit darüber in einen Dialog treten? Die Gesprächsteilnehmer*innen sind am 23. Juli, 20 Uhr: Friedrich-Christian Delius, Felicitas Hoppe, Georg Klein und Jonas Luscher. Am 24. Juli, 10 Uhr, gesellen sich Ebru Düzgün aka Ebow, Alexander Eisenach, Sharon Otoo, Clemens Meyer, Nina Grosse und Simon Strauss dazu.

Zeitgenössische Weltmusik präsentiert das Festival der Kulturen am 27. und 28. Juli. Zu den Höhepunkten des Programms zählt der Auftritt der international gefeierten tunesischen Sängerin Emel Mathlouthi – nordafrikanischer Gesang und Rhythmik treffen auf Electronica, Trip Hop und das Streicherensemble der Augsburger Philharmoniker. Neo-Folk aus Polen, Deutschland und der Türkei (Sutari feat. Oriental Inspiration), Psychadelica aus Mali (BKO), Pizzica Tarantata aus Italien (Canzoniere Grecanico Salentino) und viele weitere Genres erklingen im Annahof und – dieses Jahr neu – im Stadtmarkt. Aus der Region spielen unter anderem Julo & Band und die Scarafons Streetband live. Organisationen, Vereine und Kreative bereichern das Festival durch künstlerische, informative und kulinarische Angebote sowie ein Kinderprogramm.

Das Berliner Theaterkollektiv EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten) verbindet in seinen Projekten Theater mit fundierter Theorie und einer klaren politischen Haltung. Am 29. Juli, 20 Uhr, gastiert das Ensemble mit der außergewöhnlichen Performance »Past Forward« im Kulturhaus abraxas. Dabei begibt sich EGfKA auf die Suche nach »Histopien« – utopischen Momenten der menschlichen Geschichte, in denen sich konkret-emanzipatorische Möglichkeitsräume eröffneten. Gemeinsam mit dem Publikum wird eine Seance, eine Geisterbeschwörung, abgehalten, um in einen Dialog mit den Toten, den Zeug*innen dieser Geschichte(n) zu treten.

Der »Taubenschlag« steht 2018 als begehbare Kunstinstallation am Willy-Brandt-Platz. Mit einem interaktiven Festivalprogramm ermöglicht der jüngst mit dem Augsburger Pop-Preis »Roy« ausgezeichnete Stadtraum e.V. vom 2. bis 8. August einen kosten- und barrierefreien Zugang zu Kunst, Kultur und Bildung sowie zu zahlreichen Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Die über 30-köpfige Crew und ihre Akteur*innen möchten auch im dritten Jahr des Projekts auf aktuelle gesellschaftliche Themen aufmerksam machen, zur Teilhabe und zum Verweilen einladen. Alle Details zum Programm gibt es unter: www.taubenschlag-augsburg.de

Themenschwerpunkt: Utopie des Wohnens

»Utopie Stadtleben«: Am 27. Juli stellt die Utopia Toolbox in der Wertachstraße 29a Ideen für eine künftige Gestaltung von Stadtgesellschaft vor. Einige dieser Projekte sind bereits realisiert, andere erst in Teilen oder noch gar nicht. Los geht es um 14 Uhr mit Utopia-Toolbox-Initiatorin Juliane Stiegele, die unter anderem über einen radikal anderen Supermarkt, eine gläserne Uni und Micro-Utopien spricht. »Modular, temporär, wohnen« ist das Thema von Bogdan Pascalau vom Architekturburo PLAAS um 16 Uhr. Die Kulturwissenschaftlerin Simone Egger präsentiert um 17 Uhr »Import – Export. Ein utopisches Kulturprojekt für eine vielfältige Stadtgesellschaft«. Zum Ausklang ist der Tatortkrimi »Im Herzen Eiszeit« mit Rio Reiser zu sehen – ein Film über Zusammenleben, Solidarität und städtisches Wohnen. www.utopiatoolbox.org

Einsamkeit ist Volkskrankheit Nummer eins und steht somit sogar noch vor physischen Erkrankungen, gerade in den Städten. Mit dem »opendot« möchte die Utopia Toolbox mehr direkte Begegnungen schaffen. Dazu gehört als sichtbares Zeichen ein oranger Punkt, mit dem jede*r seine*ihre Offenheit für Begegnung an Haus- und Wohnungstür zeigen kann – ein kurzes Gespräch, eine Tasse Kaffee. So soll die Kultur des »Spontanbesuchs« wieder belebt werden. Am 28. Juli, 11 Uhr, startet »opendot« mit einer Auftaktveranstaltung in der Utopia Toolbox. Die Aufkleber gibt es unter anderem in der Bürgerinfo am Rathausplatz, im Café Tür an Tür und als Beilage des  Friedensfest-Programmhefts. www.opendot.co

Das Grandhotel Cosmopolis und das Wohnzimmer im Schwabencenter (Lokale Agenda 21) laden vom 30. Juli bis 2. August zu einem utopischen Wohnlabor. Unter dem Titel »Wolkenkuckucksheim für alle« sind Besucher*innen eingeladen, sich über Ansätze, Ideen und Prozesse, Erfahrungen und Synergien in Augsburg und der Region auszutauschen. In Workshops und Vorträgen informieren Projekte aus München, Berlin und Hamburg über Möglichkeitsräume von Genossenschaften, gemeinschaftliches Wohnen und Zusammenleben, neue Ansätze wie das Tiny House und nachhaltige gemeinsame Stadtentwicklung. Das komplette Programm und weitere Infos unter: www.grandhotel-cosmopolis.org


Das komplette Programm zum Hohen Friedensfest 2018 finden Sie unter:
www.friedensstadt-augsburg.de

Foto: Christian Menkel

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