Zwischen Traum und Albtraum – KI-Kompetenzen Teil 2
Erika Kassnel-Henneberg zählt zu den KI-Künstler*innen der ersten Stunde. a3kultur-Autorin Martina Vodermayer sprach mit der subtil provokanten Kunstpionierin über Potenzial, Risiken und Entbehrlichkeit digitaler Werkzeuge, die Kontrolle fordern.
Trügt die Ruhe in ihrem Atelier? Vom Idyll der Westlichen Wälder aus wirkt Erika Kassnel-Henneberg weltweit, durch vielschichtig verstörende, mehrfach prämierte Arbeiten. Ihr technisches Fundament als Restauratorin ergänzte sie durch ein Mediendesign-Studium an der Technischen Hochschule Augsburg, wo sie heute selbst lehrt. Seit 2010 ist die Deutsch-Rumänin künstlerisch aktiv.
Sie erforsche ihre Sujets per Mix aus Naturwissenschaft und Kunst, um ihnen näher zu kommen, erläutert Kassnel-Henneberg. Vor rund zwei Jahren fesselte sie der Web-Trend »Deep Nostalgia«: Plötzlich fluteten KI-verfremdete Porträts im »Harry Potter«-Stil das Netz. Wenig später tauchte die Künstlerin ab in eigene, unheimliche Bildertiefen: Ihre KI-belebten Antlitze faszinieren bei leisem Frösteln, etwa in der Schwarzweiß-Projektion »Deep Paula«.
Hier leben historische Fotos auf – durch scheinbar natürliche Mimik. Zeitgenössische Kunst, oder neues Businessmodell? Firmen wie Synthesia erschaffen bereits virtuelle Klone von Personen, digital ansprechbar über deren Tod hinaus. Lernfähige Software sowie zahllose Datenspuren verbessern stetig die Qualität solcher »Reanimationen«.
Täglich neue Gimmicks erfreuen Kassnel-Henneberg einerseits. Doch: Mit dem gigantischen Potenzial steige die Missbrauchsgefahr. Die Politik delegiere Verantwortung an Konzerne mit kaum regulierten Wissens- und Machtmonopolen. Im Kampf um Aufmerksamkeit müssten klare Regeln und Konsens her – beim Dranbleiben am Puls der Zeit gelte es die Kontrolle zu behalten.
Denn eine rein digitale Welt hält die Multimedia-Virtuosin für entmenschlichend. Daher verschränkt sie gern analoge mit elektronischen Welten im Dialog, aktuell beim Kooperationsprojekt »Reminiszenz – Echokammer« mit der Malerin Silke Bachmann. Gezielt schöpft sie bildnerische Möglichkeiten von Open-Source-Software wie Stable Diffusion, DeForm oder ComfyUI aus, um per Texteingabe aus Gemälden surreale Welten zwischen Traum und Albtraum zu generieren.
Mächtige Programme seien das, die intensives Befassen, Geduld beim Finetuning und Expertise erforderten, erklärt Kassnel-Henneberg. Im iterativen Prozess führten zahlreiche Fehlversuche zu optimalen Ergebnissen. Und: Hier könne ihr kaum ein Mann das Wasser reichen, fügt sie selbstbewusst hinzu. Kritisch reagiert sie, wenn Künstlerkolleg*innen medienwirksam mit der Verunsicherung um »echte« und KI-generierte Bilder kokettieren. Ihr Werk will subtil konfrontieren, ja »infizieren«, doch nie im Unklaren lassen.
Dank ihrer Präsentation »Uncanny Valley« (dt.: »Unheimliches Tal« – aus der Medienpsychologie), teils umstrittener Installationen wie »Deep Paradise«, sowie regelmäßiger Präsenz bei der Großen Schwäbischen Kunstausstellung genießt Kassnel-Henneberg Respekt in Augsburgs Kunstszene. Für innovative Positionen sieht sie hier dennoch Luft nach oben. Insbesondere der BBK Schwaben-Nord dürfe sich verjüngen und mehr Mut zu Neuem wagen. Bis dahin findet die KI-Pionierin ihr Glück vermehrt im Um- und Ausland, u.a. beim FILE Festival in São Paulo. Von Mitte bis Ende Mai präsentiert sie bei der Augsburger Gruppenausstellung »Stadtarchiv interdisziplinär« neben digitalen auch analoge Arbeiten. Back to the roots? Ja – Kunstschaffende kommen gut ohne KI aus.
Das könnte Sie auch interessieren
Helfen? Ehrensache!
Fachwissen und offenes Ohr
Spätestens mit dem deutlichen Wahlsieg von SPD-Mann Florian Freund im Stechen um den Posten des OB in Augsburg begannen die Spekulationen um die neue Regierungskoalition. Es sind zahlreiche Varianten möglich. Manche davon machen durchaus Sinn, in Erwägung gezogen zu werden.
Black out – Bunt rein!
Die politische Diskussion um die Zusammensetzung der neuen Stadtregierung hat Fahrt aufgenommen und ist nicht von Beginn auf die eine Konstellation ausgerichtet sondern überraschend offen. Eine Zweier-Koalition ist ausgeschlossen, die beiden möglichen Dreier-Koalitionen werden sehr kontrovers diskutiert. Insofern werden durchaus auch unkonventionelle Alternativen in Betracht gezogen. Denn nach fast 30 Jahren besteht die Chance, für Augsburg wieder eine Stadtregierung ohne die CSU zu bilden.