Nächster Halt: Weltall
Der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress 2025 landet vom 23. bis 25. September im Kongress am Park
An drei Kongresstagen blicken Wissenschaftler*innen und Forschende weit in die Zukunft. Erwartet werden etwa 1.000 Teilnehmende pro Tag. In über 420 Vorträgen zu 15 Themenschwerpunkten, 5 Plenarvorträgen und zahlreichen Diskussionsrunden geht es um den Austausch von Erfahrungen, die Vorstellung innovativer Technologien, neueste Entwicklungen und kommende Herausforderungen.
Mit zwei Touren Augsburg entdecken
Einen Tag vor der Eröffnung des Deutschen Luft- und Raumfahrtkongresses gibt es die Möglichkeit zur Teilnahme an einem interessanten Rahmenprogramm. Die »Technischen Touren« führen zum Innovationspark Augsburg, zu Premium Aerotec, MT Aerospace AG, Airbus Helicopters Donauwörth, Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH und zum Campus Augsburg Airpark / Flughafen Augsburg. Die »Kulturellen Touren« bieten Stadtführungen zu den Themen Wassermanagement, Augsburg Fuggerstadt, Augsburg Mozartstadt und Augsburg Lutherstadt an. Eine weitere Führung führt zum Bahnpark und zur Fotoausstellung »View From Above«. Alle Informationen zum Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress gibt es unter: dlrk2025.dglr.de
Taxi zum Orbit
Dieses Jahr nicht selbst auf dem Kongress vertreten, aber dennoch im Zentrum des Geschehens: die in Augsburg ansässige Rocket Factory. Was sich an der Berliner Allee alles tut, erzählte uns Dr. Ibrahim Ata in einem ausführlichen Interview
a3kultur: Warum ist die Rocket Factory nicht auf dem Kongress vertreten?
Dr. Ibrahim Ata: Wir sind das ganze Jahr über auf vielen internationalen Messen. Hier in Augsburg können alle Interessierten direkt bei uns vorbeischauen und vor Ort sehen, was wir können. Daher haben wir uns in diesem Jahr entschieden, nicht selbst beim Kongress dabei zu sein.
Und was machen Sie eigentlich in Ihrer Raketenfabrik an der Berliner Allee?
Die Rocket Factory gibt es seit 2018, seit 2021 an diesem Standort. Unser Ziel ist es, kleine und effektive Trägerraketen zu entwickeln, die in erster Linie Satelliten in den erdnahen Orbit bringen.
Das hört sich bei Ihnen so einfach an. Aber wie viel Innovation steckt wirklich dahinter?
Genau das ist unser Ansatz. Wir wollen das ganze Thema auf eine einfache Formel herunterbrechen. Sie müssen sich vorstellen, dass wir die Transportmittel bauen, die jede Art von Satellit in den Orbit bringen können – so einfach und kostengünstig wie möglich. Unsere Herangehensweise ähnelt sehr dem industriellen Autobau. Bis jetzt war der Weg ins All extrem teuer und aufwendig. Dabei geht die Technik immer weiter, und inzwischen können auch kleinere Satelliten hervorragende Daten zur Erde senden.
Von welchen Einsatzmöglichkeiten sprechen wir hier?
Wir haben Anfragen aus der zivilen Nutzung. Dabei geht es um Satelliten, die zum Beispiel Wetterphänomene beobachten, um Gefahrenlagen schneller und genauer zu erkennen. Die bisherigen Satelliten im Weltall haben eine Lebensdauer von rund 30 Jahren, sind enorm schwer und teuer. Da liegt es auf der Hand, dass die verbaute Technik längst überholt ist. Aber bei den eingesetzten Kosten tauscht man solch einen Satelliten nicht mal eben aus. Die kleineren Satelliten von heute haben zwar nur eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren, kosten dafür aber nur ein Zehntel. So gehen Lebensdauer und technologische Entwicklung Hand in Hand. Mit jedem neuen Satelliten, der nach fünf Jahren ausgetauscht wird, kommt auch die neueste Technik wieder in den Orbit.
Ihr Fokus auf zivile Nutzung schließt also militärische Zwecke aus?
Ja. Wir haben keine militärische Nutzung im Sinne vom Transport von Waffen vorgesehen. Aber natürlich arbeiten wir mit dem Militär zusammen, wenn es darum geht, Aufklärungssatelliten im Orbit zu platzieren. Diese dienen uns allen zur Sicherheit und sind ein wichtiges Frühwarnsystem.
Ist Augsburg mit der Rocket Factory nun ein Hotspot für Satellitenbau geworden?
Ganz klar. Es geht ja nicht nur darum, dass wir die Trägerraketen bauen, sondern auch darum, die Starts der Raketen mit den jeweiligen Satelliten zu organisieren. Sie können nicht einfach irgendwo eine Rakete dieser Dimension starten. Wir haben in Schottland unseren Startplatz – dort ist alles gesichert und für die Zivilbevölkerung vollkommen ungefährlich.
Gebaut werden die Raketen also in Augsburg, und dann gehen sie zum Start nach Schottland?
Genau so funktioniert das. Hier in Augsburg, in den ehemaligen OSRAM-Hallen, bauen wir unsere RFA ONE. Wenn alles wie geplant läuft, können wir ab dem nächsten Jahr vier Raketen pro Jahr hier in Augsburg fertigen.
Sie sind ein weltweit agierendes Unternehmen. Wie macht sich das im Betrieb bemerkbar?
Unsere Betriebssprache ist Englisch. Unsere rund 300 Mitarbeitenden kommen aus 45 Nationen. Alles hier ist international – und genau das ist das Umfeld, das wir haben wollen. Es ist lebendig, vielfältig und durchdrungen von absoluter Weltallverrücktheit. Um es salopp zu sagen: Hier zu arbeiten ist einfach nur cool.
Dr. Ibrahim Ata ist Leiter der Abteilung Acquisition & Delivery beim NewSpace Startup Rocket Factory Augsburg (RFA). Dort verantwortet er ein vielfältiges Portfolio von Projekten, indem er die Bereiche Vertrieb, Geschäftsentwicklung, Missionsmanagement und Forschung leitet. Seine strategische Führung war entscheidend für die Erschließung von Unternehmenserträgen und die Etablierung wichtiger Partnerschaften mit Branchenführern und Regierungsbehörden.