In einer kollaborativen Arbeitsphase entwickelten beide Künstler*innen ein hybrides, prozesshaftes Gefüge aus Keramik und Stahl. Die Ausstellung entfaltet sich als raumgreifendes Ensemble, das sich als offenes System versteht: eine Struktur, die trägt und nachgibt, sich verdichtet und wieder auflöst. Organische und architektonische Logiken durchdringen einander – fragile keramische Elemente treffen auf tragende Metallgerüste und verzweigen sich zu biomorphen Formationen.
Während Lu Cheng körperlich anmutende, wachsende Strukturen entwickelt, entwirft Diogo da Cruz spekulative, aquatisch geprägte Ökosysteme, in denen alternative Formen von Koexistenz sichtbar werden. Eine Soundarbeit durchzieht den Raum und verbindet die gemeinsame Arbeit mit der akustischen Realität der Stadt: Verdichtete, gefilterte und modulierte Aufnahmen gestauten und sich befreienden Wassers – unter anderem vom Augsburger Hochablass – übersetzen Halt und Durchlässigkeit in urbane Strömungen und machen diese als hörbare Ebene erfahrbar.
Was gibt Halt, was entzieht sich Kontrolle? Welche Strukturen bewahren, welche lassen durch? Material erscheint in der Ausstellung nicht als statische Substanz, sondern als aktiver Träger von Beziehungen. Die Ausstellung wird so zu einem temporären Ökosystem, das sich im Zusammenspiel von Raum, Material und Publikum kontinuierlich verändert.
Mit Augsburg als Ausstellungsort erhält das Projekt eine zusätzliche Resonanz: Das historisch geprägte und zugleich lebendige Wassersystem der Stadt – seit 2019 UNESCO-Welterbe – bildet einen Kontext, in dem Fragen von Zirkulation und ökologischer Verflechtung besondere Dringlichkeit gewinnen.
Weitere Informationen unter: www.kunstverein-augsburg.de