Klassik

Blue – Alles fließt

Der Wettergott ließ Stunden vorher noch seine Muskeln spielen und demonstrierte regenstarke Allmacht: Am Abend klarte es auf, so dass dem Konzertprogramm „Blue – alles Fließt“ nichts mehr im Weg stand. Vor rund 40 Hörern fand es zweimal in Folge im glasüberdachten Viermetzhof statt, wo selbst die recht frischen Temperaturen und ein intensiver Nachhall (der nur die Moderationen beeinträchtigte) den Hör-Genuss nicht trübten. Das „blaue Gold“ übernahm also die Funktion des Schirmherren über ein raffiniertes Programm, das in sieben kleinen Blöcken und mit sehr viel Energie im Auf und Ab der Klangwellen die Poesie der zeitlos scheinenden Werken einfing. Assoziativ und vielfach inspiriert von der Kunst der italienischen Cantautores umspielten sie in den Progetto '600-Arrangements das „Blue – Alles fließt“-Thema.
Bereits zu Beginn bestach das virtuose Cello-Solo von Giuseppe Maria Dall’abacos „Capriccio sesto“, das der ehemalige Meisterschüler von Julius Berger, Edward King, zum Erlebnis machte. Im Verlauf des Abends sollte er noch mehrfach sein verblüffendes Gespür für einen beseelten, dabei stets überraschend freien und modernen Umgang mit seinem Instrument unter Beweis stellen, um auch im subtil aufeinander abgestimmten Quartettspiel melodiensatte Klangwolken in den hohen Raum zu zaubern.
Als Hörer staunte man immer wieder über die schwebenden, stets nahtlos gelungenen Übergänge. Wie tragfähig erwiesen sich die musikalischen Brücken, mit denen ein auffallend spielfreudiges Ensemble die Werke des 17. kongenial ins 20. Jahrhundert hinübertrug! Was für ein Vergnügen, kaum mehr den exakten Moment auszumachen, an dem etwa die „Ciaconna“ eines Andrea Falconieri mit Chick Coreas komplex gestalteter „La Fiesta“ verschmolz. Hätte man vorher Welten zwischen Bachs „Allemande“ und Henry Mancinis „Moonriver“ vermutet, so wurde man in diesem Konzert schnell eines Besseren belehrt. Ein Werk fügte sich in das Neue, melodische Linien führten fließend durch die Epochen. Traditionelle Tarantella-Rhythmen läuteten dann viel zu rasch das Finale ein, das mit Lucio Dallas melancholischer Hommage an „Caruso“ (1986), das vielfach gecovert ein echter Ohrwurm ist, die Zuhörer an ein Meer voller Erinnerungen führte. Fesselnd und berührend zugleich waren auch hier die klangliche Atmosphäre, die Iris Lichtinger diesmal als Sängerin heraufbeschwor, harmonisch auch hier gebettet vom starken Sound ihrer professionell und experimentell agierenden musikalischen Partner Sebastian Hausl, Martin Franke und Edward King.
Kein Wunder, dass man dieses großartige Quartett erst nach einer Zugabe in die zweite "Runde" entließ!

Mehr über die neue fama-Konzertreihe des Hauses Fugger unter www.fama-augsburg.de