Ein Fest der figurativen Malerei

19. April 2018 - 9:54 | Iacov Grinberg

Ausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler, »Urbane Landschaft«, im Abraxas

Die neue Ausstellung des BBK, »Urbane Landschaft«, im Abraxas ist anders als die meisten Ausstellungen des Verbandes der letzten Jahre, da die Künstler anonsten – im Gleichklang mit dem allgemeinen Trend – viele Arbeiten zeigen, die man zu der abstrakten Kunst zuordnen kann. Diesmal gehört die Mehrheit der Arbeiten eindeutig zu der figurativen Kunst. Für viele Besucher, die nicht in die Feinheiten der modernen Kunst eingeweiht sind, war es angenehmer. Warum?

Mit ihren künstlerischen Arbeiten, ungeachtet abstrakt oder figurativ, versuchen die Künstler dem Betrachter etwas mitzuteilen. Bei der Wahrnehmung der Abbildungen verläuft es aber nicht immer glatt. Unsere Augen versuchen beim ersten Blick auf ein Bild irgendeine uns bekannte Gestalt auszusondern. Bei der figurativen Kunst, bei der es auf der Bildfläche einige Figuren gibt, fällt es dem Betrachter relativ leicht, etwas auszusondern und aufgrund dieser Aussonderung das Abgebildete wahrzunehmen. Bei der abstrakten Kunst gibt es in der Regel keine Gestalt, die leicht erkennbar ist, man sieht etwas, das als Rohrschach-Klekse bezeichnet wird. Das heißt, man nimmt keine eindeutigen Formen und Gestalten wahr, sondern etwas, in dem man selbst, stützend auf eigene Erlebnise und eigenes emotionales Gedächtnis Formen, Gestalten, ihr Zusammenspiel oder die Stimmung des Kunstwerkes erkennen soll. Das fordert bestimmte seelischen Bemühungen und das Einbringen eigener Fantasie, was nicht leicht ist. Das ist einer der Gründe, weshalb man abstrakte Bilder schwer wahrnimmt.

Die figurative Kunst hat sich auf der Ausstellung auf unterschiedliche Art und Weise gezeigt. Gleich beim Eingang links hängt »Hereinspaziert« von Peter Schlichterle, was als Kammerton der Ausstellung dienen kann: Grelle und bunte Farben, lustige Gestalten, die zusammen ein etwas düsteres und trauriges Bild unserer leicht verrückten Gesellschaft widerspiegeln. Andererseits sieht man »Irrlichter der Stadt« und »Fliehender Punkt« von Dorothea Dudek, welche eine verschwommene urbane Sicht veranschaulichen. Es gibt auch eine interessante Kombination aus realen Objekten und Abbildungen der Objekte in »Lost: Urbane Fundstücke« von Claudia Geßner.

Die Fotografie ist zahlreich vertreten. Es geht nicht nur um einzelne Ansichten, wie in den Arbeiten von Herbert Holzmann, sondern um Paare, wie bei »Viele Stühle – kein Platz« von Verena Blunck-Mader, die Zusammenstellung vieler Ansichten, wie in »Vorgarten I und IIt« von Jo Thoma, und um die Serie, wie bei »Augsburg ist bunt« von Tarid Schustzer mit Abbildungen von Augsburger Graffitis. Die künstlerische »Ergänzung« der Realität zeigt sich in den beiden »Schönheitsvorschlägen« von Eugen Keri.

Des Weiteren gibt es eindrucksvolle Vertreter der klassischen Malerei wie »Gruppenausflug« von Lilian Noack, in der Häuser aus niedrig liegendem Nebel herausragen, das Bild aus der Serie »mischgebiete« von Christina Odato, welches wie eine Luftaufnahme aussieht, zwei lange und schmale Pastelle von Marc Rogat, bei der die Aussicht von Donauwörth bei Nacht gezeigt wird und uns an die fast schon vergessene Finsternis der Nacht erinnert sowie die feine und poetische Arbeit »Fernsehlicht« von Andreas Decke.

Es gibt noch viele andere Arten der Malerei, man kann noch lange über alle 63 ausgestellten Arbeiten erzählen. Aber besser wäre es, sie selbst zu bewundern, was noch bis 20. Mai möglich ist.

www.kunst-aus-schwaben.de

Thema:

Weitere Positionen

schwaebische kunstausstellung Augsburg 2018_foto bettina kohlen
18. Dezember 2018 - 8:04 | Bettina Kohlen

Seit 1949 demonstriert die »Große Schwäbische Kunstausstellung« jährlich, wie es um die Kunst in der Region bestellt ist.

12. Dezember 2018 - 12:16 | Jürgen Kannler

Mit Tilo Grabach gewinnt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg einen hervorragenden Wissenschaftler und erfolgreichen Ausstellungsmacher. Und Augsburg hat das Nachsehen. Ein Porträt

zauberfloete_staatstheater augsburg 2018_foto_jan-pieter fuhr
8. Dezember 2018 - 14:18 | Bettina Kohlen

Drei Damen in Blaumann sitzen in einem engen Technikraum und stricken emsig an einer gewaltigen Schlange. So geht es los mit der Zauberflöte, dem Opern-Dauerbrenner, den das Staatstheater Augsburg jetzt zeigt.

8. Dezember 2018 - 8:04 | Patrick Bellgardt

Lange bevor der Serienhit »Babylon Berlin« ein ungeahntes Interesse an der Weimarer Republik entfachte, sorgte Max Raabe für eine musikalische Renaissance der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Ein Interview

6. Dezember 2018 - 10:36 | Dieter Ferdinand

Das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben setzte am 27. November seine Reihe »Die europäische Dimension des Holocaust« mit dem Vortrag über Italien fort.

5. Dezember 2018 - 9:24 | Thomas Ferstl

Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im Dezember

4. Dezember 2018 - 10:50 | Susanne Thoma

Wie kann man die Grundlagen demokratischer Meinungsbildung lebendig und begreifbar machen? Ganz klar: Durch die verantwortungsbewusste Teilhabe an politischen Entscheidungen.

3. Dezember 2018 - 15:18 | Iacov Grinberg

Ausstellung »Petit Fours. Kleine Besonderheiten der bildenden Kunst und Kunstschmuck« in der Maxgalerie

3. Dezember 2018 - 15:08 | Michael Friedrichs

Was beim Jubiläum 500 Jahre Luther/Cajetan leicht übersehen wird.

29. November 2018 - 9:48 | Martin Schmidt

Das Buch »Potzblitz« versammelt Lieblingserklärungen an die Popmusik. Der Mitherausgeber und Augsburger Musiker Sebastian Schwaigert klopfte bei Musiker-Prominenz und Freunden nach Berichten, Beichten und Erinnerungen an.