Kreativität vier Stock hoch

29. November 2012 - 0:00 | Gast

Ein Rundgang in der Ballonfabrik mit Andrea Reichart

In der Ballonfabrik werden schon lange keine Ballons mehr hergestellt. Das ehemalige Traditionsunternehmen zur Fertigung von Gasspeicherballons für die Industrie sowie Rettungs- und Sicherheitsausrüstung für die See- und Luftfahrt wurde 2009 geschlossen. Heute befindet sich in dem vierstöckigen Fabrikgebäude eine Zweigstelle des Kulturparks West, in der sich in preisgünstigen und großflächigen Räumen Künstlerateliers, Werkstätten, Kreativbüros, Workshop- und Veranstaltungsräume eingerichtet haben. Unter anderem ist hier auch die Redaktion von a3kultur seit gut zwei Jahren zu Hause.

Auf drei Stockwerken – das vierte befindet sich noch in der Entwicklung –, die 1.500 Quadratmeter umfassen, gehen die Künstler, Kulturpädagogen, Projektarbeiter, Tänzer, Kulturveranstalter und Kreativarbeiter nun ihrer täglichen Arbeit nach.

Unser Rundgang beginnt im zweiten Stock. Fans von Lack und Leder können sich hier ausgefallene Lederbekleidung nach Maß bei »An und für sich« von Mika Bruhn anfertigen lassen, Landschaftsmalereien gibt es bei Gabriele Bittner und stille, aber dennoch bewegende Fotografien bei Karin Irmer. Sara Opic arbeitet in ihrem Atelier an Skulpturen, viele davon sind aus Lehm, Stroh und Stahl, wie beispielsweise der 1,60 Meter große »Luca« (Titelbild). Im Porträtatelier und Museum von Tomé können seine Kinderporträts betrachtet werden, ebenso im direkt angrenzenden Treppenhaus. Zu guter Letzt befinden sich hier auch die Redaktionsräume von a3kultur, mit einem sensationellen Blick in den Sonnenuntergang.

Geht man eine Etage nach unten, findet man dort Künstler wie Holger Löcherer und Udo Rutschmann. Letzterer trat jüngst vor allem durch seine »Trajektorien« in Erscheinung. Ebenfalls im ersten Stock liegt das Atelier von Helga Schmidt, deren sozialkritische Betrachtungen sich in ihrer Malerei, ihren Installationen und ihrer Objektkunst widerspiegeln. Im Projektraum der Heroes werden Workshops für Jugendliche aus Ehrenkulturen angeboten. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Unterdrückung im Namen der Ehre zu vermeiden und Frauen und Männern ein gewaltfreies Zusammenleben zu ermöglichen.

Noch ein Stockwerk tiefer im Erdgeschoss schließlich sind weitere Ateliers von Künstlern wie Karin Khan-Engels, Silvia Kotzur, Michael Iden und Werner Wiedemann zu entdecken. Im TanzArtZentrum kommen Bewegungswütige bei Tanzworkshops von Reggae und Dancehall über Breakdance bis hin zum Kindertanzen auf ihre Kosten. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem die Veranstaltungsräume des gemeinnützigen Vereins Awaka e.V., genannt »fabrik unique«. Unbekannte Bands bekommen hier regelmäßig die Chance, ihre Musik bei nicht kommerziellen Veranstaltungen vor Publikum zum Besten zu geben.

Damit endet unser Rundgang über vier Stockwerke Kreativwirtschaft in Augsburg. Die soziokulturelle Zwischennutzung der Ballonfabrik ist vorerst bis 2020 gesichert. Danach läuft der Pachtvertrag aus. Es bleibt also abzuwarten, welche Nutzung das Fabrikgebäude dann erfährt. Für die Kreativschaffenden kann man nur hoffen, dass es in der Ballonfabrik auch in Zukunft einen Platz für sie gibt.

www.ballonfabrik-augsburg.info

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