Film

Ein Mosaik gegen das Vergessen

Juliana Hazoth
28. Januar 2020

Für ihre Spurensuche reisten die beiden mit ihren zwei Protagonisten Günther und Heinz Barisch ins ehemalige Zülz, das heutige Biała in Polen. Bis auf den letzten Platz war die Veranstaltung ausverkauft. Das Publikum zeigte sich ergriffen, vor allem aber dankbar, einen solchen Film zu sehen.

75 Jahre liegt das Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Die meisten von uns kennen das unfassbare Grauen des NS-Regimes nur aus dem Geschichtsunterricht oder aus Kinofilmen wie »Schindlers Liste«. Die Aufarbeitung dieses dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte ist nicht abgeschlossen.

Nur wenige Menschen können heute noch von damals erzählen. Umso wichtiger ist es deshalb, die Geschichten dieser Menschen zu hören, zu verbreiten und für die jetzige und zukünftige Generationen zu sichern. 37 Zeitzeugen aus dem Raum Augsburg haben mit Michael Kalb und Timian Hopf gesprochen. In ihren Berichten erzählen sie von den vielen Widersprüchen, die sie während ihrer Jugend erlebt haben. Es geht in dieser Dokumentation nicht um historische Fakten, sondern darum, wie sich das Leben der normalen Bürger abgespielt hat. Wie hat sich das Regime und der Krieg auf den Einzelnen, seine Familie, seine Freunde ausgewirkt? Schon sehr schnell merkt man: Diese Fragen sind heute so aktuell wie damals. Ohne auf konkrete Ereignisse einzugehen, zeigt sich der Bezug ganz deutlich.

Die Brüder Günther und Heinz Barisch sind für die Filmemacher ein absoluter Glücksgriff. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit und viel trockenem Humor tragen die beiden sympathischen Männer die Dokumentation. Die beiden erzählen offen von ihren Erlebnissen, von den schönen und den furchtbaren Erinnerungen. Die Reise in ihre ehemalige Heimat Zülz nimmt sie sichtbar mit, ist gleichzeitig auch ein erfüllter Lebenswunsch.

Michael Kalb und Timian Hopfs Film »Die letzten Zeitzeugen« ist ein Stück Geschichte, ein Schritt gegen das Vergessen. Er zeigt uns nicht nur das damalige Leben auf eine ganz besondere Art, sondern macht uns auch klar: Unsere Freiheit, offen zu sprechen und kritisch zu sein, ist ein Luxus, den wir keinesfalls kampflos aufgeben dürfen.

Eine TV-Ausstrahlung im BR ist für Anfang Mai geplant, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

Weitere Informationen und Vorführtermine gibt es unter:
www.letzte-zeitzeugen.de

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